Igihugu Cy'imisozi Igihumbi. Aus dem Kinyarwanda übersetzt bedeutet das "Land der Tausend Hügel". Eine äußerst passende Bezeichnung für das flächenmäßig verhältnismäßig kleine Land in Zentral-Ostafrika. Zumindest nach allem was ich in der kurzen Zeit, die ich nun hier bin bereits gesehen habe. Die rollenden Hügel über die sich die Hauptstadt Ruandas erstreckt gehören zu den ersten Dingen, die mir ins Auge fielen, als ich mich vergangenen Donnerstag die ersten Meter vom Flughafen in Kigali entfernte.
Ich bin Hannah, aber vielleicht kennst du mich auch als Felicitas. Ich bin nach Ruanda gekommen um hier für 7 Monate einen Freiwilligendienst in der Jumelage, einer Partnerschaftsorganisation zwischen Rheinland-Pfalz und Ruanda, durchzuführen. Was dort meine Aufgaben sein werden? Das weiß ich noch nicht im Detail. Einen kleinen Einblick in die Arbeit und die Stadt Kigali habe ich allerdings bereits erhalten und würde diesen gerne mit dir teilen.
Meine Reise begann bereits einen Tag vor meiner Ankunft. Am Abend des 8. Januar 2025 brachten mich meine Eltern zum Flughafen in Frankfurt, nachdem ich von der Abschieds-Gassi-Runde mit unserem Hund Nala von oben bis unten verschneit zurückgekehrt war. Selbstverständlich war mir bewusst, dass ich in Ruanda wohl eher keinen Schnee finden würde. Nichtsdestotrotz waren die 33°C bei meiner Ankunft, nach einer schlaflosen Nacht in engen und unbequemen Flugzeugsitzen, ein kleiner Schock für jemanden, der die Sonne im Regelfall meidet, wie ein Fisch das Trockene.

Als ich von der Gepäckrückgabe im Flughafen meinen Weg nach draußen fand, wurde ich schon von einer kleinen Delegation der Jumelage erwartet, die mich freundlich empfing und gemeinsam mit meinem Gepäck in einem der Autos verstaute. Vom Flughafen fuhren wir in die Stadt, wo ich Unterstützung erhielt mir eine neue SIM-Karte einzurichten. Zum ersten Mal bemerkte ich hier, wie ungewöhnlich es für mich war so bei der Hand genommen zu werden und mich nicht selber durch diese ganze Prozedur des Zurechtfindens durchwuseln zu müssen. Auf diese Weise hatte ich natürlich Zeugen meiner Inkompetenz, aber was solls. Ausgestattet mit einer neuen Telefonnummer gingen wir noch eine Kleinigkeit einkaufen und machten dann eine kleine Tour durch die Stadt um Zeit zu schinden, bis Vincent, von der Jumelage, mit einem neuen Schlüssel am Haus ankommen würde. Viele Kinder und Jugendliche waren unterwegs, da zu der Uhrzeit der Schulunterricht für den Tag beendet war. Gekleidet in Schuluniformen unterschiedlicher Farben, verschiedener Schulen, liefen sie auf den Bürgersteigen, während der Verkehr zur Rushhour im organisierten Chaos endete. Dieser läuft hier zwar ein wenig ungeregelter als in Deutschland, ich würde jedoch nicht behaupten, dass man dadurch noch schlechter vorwärts kommt als in deutschen Städten, insbesondere zur Hauptverkehrszeit. Es ist ungewohnt, doch funktioniert es irgendwie. Zudem sind viele Gesetzeshüter an den Straßen und in der Stadt präsent und greifen im Zweifelsfall ein, falls es zu knotig wird.

Abgesehen von den steilen Straßen, wodurch man fast überall einen beeindruckenden Blick auf einen anderen Stadtteil hat, fiel mir auch sehr schnell auf, wie grün Kigali ist. Zwischen den vielen aneinandergereihten Häuschen erheben sich immer wieder Flecken mit großen prächtigen Bäumen und Gestrüpp, sodass man ein Gefühl der Harmonie zwischen Mensch und Natur erhält, was aus meiner Sicht in vielen anderen Großstädten fehlt - wobei ich dazu anmerken muss, dass ich sowieso nicht der größte Fan von Städten bin und daher womöglich ein wenig parteiisch. Kigali ist ein farbenfroher Ort, wo neben saftig grünen Pflanzen und rot-beigen Lehmstraßen mancher Stadtteile auch die Leute weitestgehend in bunten Farben gekleidet sind. Wenn sich dann die Sonne am Abend hinter den Horizont zurückzieht, verwandeln sich die farbigen Hügel in einen Teppich aus silbernen Lichtern. Anstelle von Straßenlaternen besitzt jedes Haus ein kleines weißes Licht, welches Nachts angeschaltet sein muss. Diese erscheinen gemeinsam in der Dunkelheit wie eine riesige Decke aus Sternenlicht, die sich in der Nacht über Kigali legt.

Nachdem ich aus dem Auto nun einen ersten Eindruck von der Stadt gewonnen hatte, erreichten wir schließlich das Haus, wo meine Mitbewohnerin Luisa bereits auf uns wartete. Eine andere Wahl hätte sie auch nicht gehabt, da Vincent den Schlüssel für das Fronttor zum Schlosser gebracht hatte, um eine Kopie davon anzufertigen. Weil das Tor immer abgeschlossen sein musste, war sie also bis auf Weiteres hinter dem Zaun eingesperrt, was wir aber alle mit Humor nahmen und uns etwas unterhielten, bis Vincent schließlich mit den Schlüsseln kam. Schnell noch das halb kaputte Bett aus dem Zimmer geschafft, Matratze auf den Boden und in Ruhe meinen Koffer ausgeräumt, legte ich mich wenige Stunden später erschöpft unter das vor Moskitos schützende Himmelbett und war auch bald weggedriftet.
Bis jetzt wurde ich von allen Menschen hier gut aufgenommen. In der Jumelage herrscht eine sehr familiäre Atmosphäre und ich freue mich schon mit den Leuten dort zusammenzuarbeiten. Auch die Truppe aus anderen deutschen Freiwilligen hat mich in ihrer Runde begrüßt - auch wenn ich wohl noch nicht ganz alle kenne - und mir bis jetzt sehr geholfen mich zurechtzufinden. Sei es die Kommunikation mit Locals auf dem Markt oder das Organisieren eines Motor-Taxis, um dem Fahrer zu erklären wo er mich hinbringen soll, da Adressen für sie hier nicht so ein Ding sind.
In all diesen Dingen bekomme ich viel Hilfe und habe bereits die ersten Seiten meines Notizbuchs mit nützlichen Vokabeln auf Kinyarwanda, Ortsbeschreibungen und anderen hilfreichen Tipps gefüllt. Als nächstes gilt es nun für mich mir das alles zu verinnerlichen, damit ich mich auch selbstständiger in der Stadt bewegen kann. Doch mit der ganzen Unterstützung, die ich bis hierher erfahren habe sollte das hoffentlich nicht all zulange dauern. Ich bin in jedem Fall gespannt, was mir dieses Abenteuer noch bieten wird und wie ich mich hier akklimatisieren werde.
Ich würde gerne regelmäßig, oder zumindest hin und wieder mehr von meinen Erlebnissen hier in diesem Blog berichten. Jede Person, die diesen Link besitzt ist natürlich herzlich dazu eingeladen zu lesen und mich dabei zu begleiten wie ich Neues über dieses Land und die Leute lerne. Dennoch möchte ich jeden Leser und jede Leserin dazu auffordern, das Berichtete kritisch zu betrachten und gerne zu kommentieren, wenn Inhalte unpassend, unangebracht oder sogar faktisch falsch dargestellt werden. Für mich, wie für jeden anderen, ist das ein Prozess in dem Fehler passieren können und im Laufe der Zeit werde ich die Dinge besser oder zumindest anders verstehen. Ich freue mich über Rückmeldungen und vor allem darauf mit allen auf die eine oder andere Weise in Kontakt zu bleiben.
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