7. April
7. April
Bisher bin ich immer etwas um das Thema herumgetänzelt und habe mich nicht getraut, in einem größeren Kontext darüber zu berichten. Anlässlich des Gedenktages des Genozids am 7. April habe ich jedoch beschlossen ein wenig genauer auf die historischen Hintergründe einzugehen, die nicht nur zu dem Völkermord der Hutu an den Tutsi in 1994 führte. Auch der aktuelle Konflikt im Ostkongo lässt sich auf diese Geschichte zurückführen. Ich werde jedoch direkt zu Beginn widerholen, was ich früher bereits klargestellt habe: Ich beziehe keine politische Stellungnahme und werde auch den anhaltenden Konflikt nicht beurteilen. Dieser Post soll dir lediglich die komplexen Hintergründe näherbringen, die an anderer Stelle, insbesondere in westlichen Medien, oft zu kurz kommen.
Ich habe mein Wissen aus verschiedenen Quellen zusammengepuzzelt, die ich dir alle am Ende des Artikels zur Verfügung stelle. Nicht alle davon sind im Internet zu finden. Auf meinem Zwischenseminar in Kibuye vor einem Monat hat uns Eliphaz, einer der Veranstalter und gebürtiger Ruander, vieles erzählt, vor allem in Bezug auf den aktuell bestehenden Konflikt. Das Buch von Philip Gourevitch aus dem Jahr 1998, welches sich ausführlich mit dem Genozid beschäftigt und insbesondere auch auf einzelne Schicksale und Erzählungen von Überlebenden eingeht, habe ich zu meiner Scham bis jetzt leider immer noch nicht beendet. Es ist eben kein Fantasy-Roman, den man mal so eben zum Entspannen am Abend ließt. Dennoch habe ich mir das feste Ziel gesetzt, weiter daran zu arbeiten, damit ich das Buch in den nächsten Wochen beenden kann.
15. Jhd. – Entstehung einer Kultur
Ruanda ist im Vergleich zu seinen Nachbarstaaten bereits ein relativ altes Land. Bereits im 15. Jhd besiedelten verschiedene Stämme das Gebiet des heutigen Ruandas. Die Twa waren vermutlich die ersten Menschen, die sich in der Region der großen Seen niederließen und waren Jäger und Sammler Stämme. Ihnen folgten die Hutu, die sich auf Ackerbau und Landwirtschaft verließen. Die letzte Gruppe kam vermutlich aus dem Norden. Diese Menschen waren vorwiegend Rinderzüchter und wurden Tutsi genannt. Schon bald entwickelte sich zwischen diesen Gruppen eine gemeinsame Sprache und Kultur. Die Unterteilung in Twa, Hutu und Tutsi galt nicht als Ethnien, sondern lediglich als Ständegesellschaft in der ein sozialer Auf- oder Abstieg je nach Vermögen, aber auch durch Heirat, möglich war. [1, 2, 3, 4]
16. – 18. Jhd. – Expansion des Königreichs
Im 16. Jahrhundert vereinigte König Ndori Ruganzu die verschiedenen Stämme Zentralruandas zu einem einzigen Königreich und im Laufe der nächsten 200 Jahre verzeichnete das Lande großflächige Expansionsströme in umliegende Gebiete. Einige dieser Regionen befinden sich heute im Staatsgebiet der Nachbarnationen, insbesonde der Demokratischen Republik Kongo (DRK) und Uganda [1, 3, 5]. Im Jahre 1802 wurde dann auch die Administration des Landes unter einem einzigen König zentralisiert [1].
19. – 20. Jhd. – Kolonialismus
Ende des 19. Jahrhunderts begannen im Zeitalter des Imperialismus europäische Großmächte sich in die Angelegenheiten Ruandas und seiner Nachbarn einzumischen. Auf der Berliner Kongo-Konferenz, die über den Jahreswechsel von 1884 und 1885 stattfand, wurde der Grundstein für die Aufteilung Zentralafrikas unter den Kolonialmächten gelegt. Verhandlungen wurden ohne die Anwesenheit afrikanischer Vertreter abgehalten und führten letztendlich dazu, dass Bevölkerungsgruppen derselben Kultur durch künstlich errichtete Staatsgrenzen voneinender getrennt wurden. Während Ruanda, gemeinsam mit Burundi, in die Hände der deutschen Verwaltung gegeben wurde, wurde der Kongo im Gegensatz zu den restlichen zentralafrikanischen Gebieten als Freistaat und Privatbesitz des belgischen Königs Leopold II anerkannt. [1, 6, 7]
Das Königreich Ruanda war schon lange ein gut organisierter Staat, der sich unter anderem aufgrund seiner strukturierten Administration gegen Bedrohungen von außen durchsetzen konnte [1, 5, 8]. Aus diesem Grund war es dem ersten Europäer, österreichischer Geograph und Entdecker Dr. Oscar Baumann, erst im Jahre 1892 möglich, einen Fuß in das Land zu setzen [1, 5]. Wenig später und 9 Jahre nach der Berliner Kongo-Konferenz, erreichten dann auch die ersten Vertreter des Deutschen Kaiserreichs das ihnen zugesprochene Land unter der Führung von Gustav Adolf von Götzen. Die ruandische Bevölkerung hatte bis dahin noch nichts von der Teilung ihres Landes erfahren und die Deutschen waren beeindruckt von der Herrschaftsstruktur des Königreichs, war es doch ganz anders als sie es erwartet hatten [1, 5]. 1995 wurde der gewalttätige König Kigeri Rwabugiri gestürzt und obwohl König Musinga zu seinem Nachfolger erklärt wurde, fehlte es ihm an Unterstützung von seiner Lineage. Seine Herrschaft wurde gestärkt, nicht zuletzt aufgrund der offiziellen Eingliederung Ruandas als Teil der Kolonie Ostafrikas des Deutschen Reiches, wodurch dem König die militärische Unterstützung der Kolonialmacht zugute kam [3]. Obwohl die Beeinflussung Ruandas durch die Deutschen nicht zu vernachlässigen ist, insbesondere in Anbetracht religiöser Missionierung und Rassenforschung, so blieb die Autonomie des Königreichs unter deutscher Vorherrschaft noch weitestgehend erhalten [1, 3, 9].
Mit dem Verlauf des ersten Weltkriegs und der Niederlage deutscher Truppen 1916, verlor das Deutsche Kaiserreich schließlich seine Hoheitsgebiete in Zentralafrika und von 1917 begann die belgische Kolonialmacht mit der Initiierung tiefgreifender Reformen traditioneller ruandischer Strukturen [1, 3, 10]. 1923 wurde das ruandisch-burundische Gebiet dann offiziell auf das belgische Verwaltungsmandat übertragen. Durch eine direktere Einflussnahme auf das Königreich Ruanda, trieben die Belgier die Säkularisierung, nicht zuletzt durch die Einführung von Religionsfreiheit, stark voran [3].
1930-1962 – Spaltung der Bevölkerung
Die Belgier konnten mit der gesellschaftlichen Struktur Ruandas nicht viel anfangen. Sie suchten Erklärungen für die Einteilung der Bevölkerung in Twa, Hutu und Tutsi und fanden eine für sie plausible Lösung in der Hamitentheorie von John Hanning Speke, aus dem Jahre 1863. Diese hält sich vor, verschiedene „Menschenrassen“ anhand körperlicher Merkmale zuordnen zu können. Laut den belgischen Kolonialherren, mussten die wohlhabenderen Tutsi, die vorwiegend höhere Ämter besetzten und zu denen auch die Königsfamilie gehörte, aus dem Norden, genauer aus Äthiopien nach Zentralafrika gelangt sein. Aufgrund des angeblich helleren Hauttons, mussten sie hochwertigeres Blut, ähnlicher dem der Europäer besitzen [2]. Im Jahr 1933 und 1934 wurden für alle ruandischen Bürger Ausweise eingeführt, auf denen unter anderem eingetragen wurde, ob eine Person Twa, Hutu oder Tutsi ist. Zum ersten Mal wurde die Ständeeinteilung des ruandischen Volkes zu verschiedenen Ethnien gemacht. Fließende Grenzen zwischen den Gruppen waren nun auf Papier festgelegt und konnten durch sozialen Aufstieg nicht mehr einfach überwunden werden. Verschiedene Körperteile wurden ebenfalls zum Zweck der Bestimmung einer Ethnie vermessen. [1, 2, 3, 10]
Die neue Klassifizierung der Befölkerung hatte eine zunehmende Priviligierung der Tutsis zur Folge. Sie wurden von den belgischen Kolonialherren in höhere Ämter gesetzt, während Hutus oft Zwangsarbeit verrichten mussten [1, 2]. Tutsis wurden nicht nur in ihrer Position bestärkt, sondern oftmals dazu angehalten, ihre Überlegenheit gegenüber den Hutus zu demonstrieren: „You whip the Hutu or we will whip you.“ („Du peitschst den Hutu, oder wir peitschen dich.“) ist ein Zitat aus dem Buch, welches unter [2] in den angegebenen Quellen zu finden ist.
Nicht nur in Ruanda, sondern auch in anderen kolonialisierten Gebieten Zentralafrikas wurde den vorherrschenden Mächten von der UN Mitte des 20. Jahrhunderts vorgegeben, die Unabhängigkeit der jeweiligen Länder in Gang zu bringen. In den 1950ern wurde von Belgien die Parteigründung erzwungen, in Vorbereitung für die Abschaffung der Monarchie [1]. Die Lager teilten sich in Hutu und Tutsi und die Unzufriedenheit der Hutus führte im Jahr 1957 zur Erklärung des Bahutu-Manifest. Es beinhaltete die Forderung nach Freiheit von den Belgiern und die Abkehr von der Monarchie [3]. Es berief sich zudem auf dieselbe Rassentheorie, die sie in ihre benachteiligte Ethnie eingeteilt hatte: Wenn Tutsis nicht aus Zentralostafrika, sondern ursprünglich aus Äthiopien kamen, dann solle Ruanda rechtmäßig den Hutus gehören [2].
1959 bis 1962 waren die Jahre der Hutu-Bauern-Revolution [4]. Als Reaktion auf den Vorwurf, ein Tutsi habe einen Hutu-Politiker ermordet, welcher in dieser Geschichte nachweislich nicht verstorben ist, starteten die Hutu ihre Revolte. 20.000 Tote forderten die ersten zwei Wochen der Revolution von beiden Parteien, aufgrund von Gegenangriffen durch Tutsi und den König. Dieser „Wind of Destruction“, wie die Revolution auch genannt wurde, sorgte für die erste große Fluchtbewegung von Tutsi, zu denen auch der damals 1- bis 2-jährige Paul Kagame zählte, in benachbarte Länder. [1, 2, 3]
Ein weiteres Ereignis in 1959 war die Ankunft des belgischen Oberstleutnant Guy Logiest in Ruanda. 1960 inszenierte er einen Staatsstreich und sorgte für die Ersetzung führender Tutsis durch Hutus. Die belgische Kolonialmacht, jedoch auch die katholische Kirche, wandten sich von der zuvor bevorzugten Tutsi-Elite ab und es begann eine Zeit der organisierten Gewalt gegen Tutsis. [2]
1961 stimmten 80% der Bevölkerung gegen die Monarchie und am 1. Juli 1962 erhielt die Republik Ruanda offiziell ihre Unabhängigkeit. Mit einer 77% Mehrheit sicherten sich die Hutus die Führung der neuen Regierung und die Belgier zogen ab, in einer Zeit großen Chaos. [1, 2, 3, 10]
1962-1994 – Hutu-Regierung und Tutsi-Rebellen
In den Jahren nach der Unabhängigkeit kam es zu mehreren Angriffen von Flüchtigen, die in Tansania und der DRK Schutz gesucht haben, was wiederum schwere Vergeltungsschläge vonseiten der Hutus gegen Tutsis in Ruanda zur Folge hatte [4]. Massaker an Tutsis forderten zwischen 1964 und 1965 rund 14.000 Menschenleben und über 300.000 flohen über die Grenzen zu ihren Nachbarn [3].
1975 schlossen Ruanda und Frankreich ein Militärabkommen, welches die Beteiligung französischer Truppen an jeglichen Kampfhandlungen, Training von Soldaten oder Polizeiangelegenheiten untersagte. Dennoch kam es in den Folgejahren zu regelmäßigen Waffenlieferungen, Flugverkehrskontrollen und Vernehmungen von Gefangenen in Zusammenarbeit mit französischen Vertretern. [2]
Im Exil lebende Tutsis unterstützten derweil die nationale Wiederstandsarmee von Uganda unter der Führung von Yoweri Museveni. 1986 kam es zum Sturz des damaligen Präsidenten und Museveni wurde zu seinem Nachfolger [1, 3, 4]. Kurz darauf wurde im Jahre 1988 die Rwandan Patriotic Front (RPF) gegründet, welche sich aus, in der ugandischen Armee dienenden Nachkommen von Flüchtlingen aus den 1950er Jahren, zusammensetzte. Nicht nur Tutsis waren Teil der RPF, sondern auch oppositionelle Hutus schlossen sich der Rebellengruppe an [3, 4].
Aufgrund einer Angst vor Verteidigungsfragen, Landkonflikten und inneren Machtauseinandersetzungen weigerte sich die ruandische Regierung kategorisch Flüchtlinge wieder im Land aufzunehmen. 1990 kam es dann schließlich zum Einmarsch der etwa 5.000-Mann starken Rebellentruppe von Uganda aus. Die Hutu-Regierung konnte die Rebellen mithilfe französischer Einsatztruppen zurückdrängen. RPF-Kommandant Fred Rwigyema fiel bei dieser Invasion und wurde von Ruandas aktuellem Präsidenten Paul Kagame ersetzt, der von da an die Rebellen anführte. Der Einmarsch der RPF markierte zudem den Beginn des Bürgerkriegs in den 90er Jahren [3, 4]. 1993 wurde ein Friedensabkommen zwischen dem ruandischen Hutu-Präsident Juvénal Habyarimana und der RPF unterzeichnet. Der Arusha-Vertrag sollte die Rückkehr Geflüchteter nach Ruanda sichern. Überdies wurde im selben Jahr die United Nations Assistance Mission for Rwanda (UNAMIR) durch den UN-Sicherheitsrat eingestellt [2, 3, 4, 11].
1994 – Genozid von Ruanda
Im Januar 1994 schickte der kanadische Generalmajor Roméo Dallaire eine Eilnachricht an das UN-Hauptquartier in der er um den Schutz eines Informanten in der Interahamwe, einer paramilitärischen Hutu-Gruppierung, bat und vor einer anstehenden Katastrophe im Hinblick auf die Exterminierung von Tutsis warnte. Sein Gebot wurde abgelehnt und er wurde angewiesen, sich mit den ihm zugetragenen Informationen direkt an Präsident Habyarimana zu wenden, da dieser wohl über solche Machenschaften im Unwissen sei. [2, 11]
Der Flugzeugabsturz des 6. Aprils, bei dem nicht nur der ruandische, sondern auch der burundische Präsident, sowie weitere Regierungsmitglieder ums Leben kamen, gab den Startschuss für das was folgen sollte. Innerhalb von 100 Tagen wurden im ganzen Land mehr als 800.000 Menschen organisiert getötet, davon hauptsächlich Tutsis, oppositionelle Hutu, doch auch rund 10.000 Twa. Die Gewaltbereitschaft übertrug sich auf die Zivilbevölkerung; Nachbarn ermordeten Nachbarn, selbst Ehepartner wandten sich gegeneinander. UNO-Truppen wurden aus dem Land abgezogen und auch die UNAMIR trat den Rückzug an. Es kam zu einer Massenflucht von Verfolgten, vor allem nach Tansania und in die heutige DRK. [1, 2, 3, 4, 11]
Mit der Befreiung Ruandas durch die RPF unter Paul Kagame markierte der 17. Juli offiziell das Ende des Bürgerkrieges [3]. Doch auch nach dem Sturz der Hutu-Regierung flüchteten weiterhin viele Bürger in Nachbarstaaten, aufgrund wirtschaftlicher und struktureller Missstände im Land [11]. Auch am Völkermord beteiligte Hutus flohen aus Angst vor Vergeltung hauptsächlich in das damalige Zaire (heute DRK) [1, 2, 3, 4]. In langjährigen Ermittlungen in Folge des Genozids wurde unter anderem Frankreich vorgeworfen, ihnen bei der Flucht durch von französischen Truppen kontrollierte Gebiete geholfen zu haben [4, 11]. Hutu-Rebellen der Interahamwe und FAR-Soldaten (Rwandan Armed Forces) sorgten nach Ende des Bürgerkrieges weiterhin für Unruhen, wie zum Beispiel durch Angriffe auf Gefängnisse zur Befreiung von Genozid-Verbrechern [11].
1996-heute – Hutu Militzen und die M23
Da sie in Zaire nach wie vor eine Bedrohung für Ruanda darstellten, wurden die am Massenmord beteiligten Geflüchteten in den Folgejahren des Genozids über die Grenze verfolgt und in 1996 und 1997 kam es zur Invasion von Zaire durch ruandische Truppen. Ruanda unterstützte den Sturz der Regierung, installierte Laurent-Désiré Kabila als neuen Präsidenten und Zaire wurde zur Demokratischen Republik Kongo umbenannt [1, 4, 12]. 1998 kam es zu einer weiteren Invasion durch Ruanda und Uganda, als sich Kabila von seinen Verbündeten abwendete und eine Neuformierung von Hutu-Milizen im Ostkongo zuließ [1, 12]. Im Jahr 2000 wurde Paul Kagame, der seit dem Ende des Genozids als Vizepräsident fungierte, offiziell zum Präsidenten von Ruanda gewählt. Diese Position hält er bis heute [11].
Nicht nur für vor dem Völkermord geflüchtete Tutsis, die in Gebieten des Ostkongos leben, stellten die Genozid-Verbrecher eine Bedrohung dar. Durch die Festlegung von Ländergrenzen in Zentralafrika durch die Kolonialmächte, Ende des 19. Jahrhunderts, wurden einige Bevölkerungsgruppen der gleichen Kultur und Sprache vom alten Ruanda abgeschnitten. Trotz offizieller Staatsbürgerschaft, wurden sie von der kongolesischen Regierung nicht wirklich anerkannt [1, 5, 6, 7]. Am 23. März 2009 wurde ein Friedensabkommen zwischen von Ruanda unterstützten Rebellen und der kongolesischen Führung unterzeichnet, jedoch kam es drei Jahre später zu einer Meuterei ehemaliger kongolesischer Rebellen in der Armee und zu der Formierung der M23. Sie warfen der Regierung und Armee von Kinshasa Schwäche und fehlenden Schutz für kinyarwanda-sprachige Bürger der DRK vor. Tutsi-Verfolgungen wurden nach wie vor durch die FDLR (Forces Démocratiques de Libération du Rwanda) ausgeführt und sie wurde sogar in die kongolesische Armee aufgenommen um den ruandischen Truppen unter Kagame etwas entgegenzusetzen zu haben. Die M23 zog sich jedoch wieder zurück, nachdem internationaler Druck auf Ruanda ausgeübt wurde, die Rebellenmilitz nicht länger zu unterstützen [1, 12].
2021 tauchte die M23 erstmalig wieder auf, 2023 und 2024 übernahmen die Kämpfer einen großen Teil der Nord-Kivu-Region und Anfang dieses Jahres (2025) schaffte es die M23 die grenznahen Stätde Goma und Bukavu, nördlich und südlich des Kivusees, zu besetzen. [12]
Heute werden international Vorwürfe gegen Ruanda gestellt, die Rebellen zu unterstützen. Laut der UN gibt es Beweise (beglaubigte Fotos, Drohnenaufnahmen, Videoaufzeichnungen, Zeugenaussagen) die belegen, dass Ruanda der M23 Waffen und Truppen, sowie Training zur Verfügung stellt. Es wird oft argumentiert, dass die Regierung von Ruanda, wie viele andere Länder der Welt, großes Interesse an den Rohstoffen des Landes der DRK hat. Lukrative Minengebiete wurden bereits von der M23 übernommen und Bodenschätze sollen nach Ruanda exportiert werden [13, 14, 15].
All diese Schilderungen werden oftmals als Kriegsgrund genannt, es werden jedoch nicht immer die komplexen Hintergründe des Konflikts im Ostkongo beleuchtet [16]. Am 4. März 2025 stellte die Bundesrepublik Deutschland Entwicklungshilfen für Ruanda ein und am 17. März wurden diplomatische Beziehungen mit Belgien beendet [17, 18].
Die Begründung der Aggression durch die M23 mit der Motivation Bodenschätze zu sichern ist eine einfache Erklärung, durch die es internationalen Parteien erleichtert wird, sich auf eine Seite zu stellen, ohne sich kritisch mit den eigenen Interessen auseinanderzusetzen. Wie in den meisten Fällen, lässt sich der Konflikt im Ostkongo nicht in schwarz und weiß zeichnen. Zu viel ist in der Vergangenheit passiert, als dass man die Dinge so kurzsichtig betrachten sollte.
Ich hoffe, dass ich zumindest dir einen tieferen Einblick in das Thema geben konnte, damit du besser verstehst, was dem Ganzen zugrunde liegt. Leider wird in Medien des globalen Nordens nach wie vor zu wenig über Konflikte in Ländern berichtet, die die eigenen Bedürfnisse nicht gravierend beeinflussen. Dies führt jedoch zu einer lückenhaften Berichterstattung, wodurch Vorurteile und Falschbilder nicht nur nicht ausgeräumt, sondern oftmals verstärkt werden können. Meiner Meinung nach, ist es also die Aufgabe jeder Person, die mehr über ein schwieriges Thema weiß als andere Menschen, in ihrem Umfeld die Leute darüber aufzuklären. Es reicht schon das Interesse einer Person zu wecken. Sobald der Samen geplanzt ist, wird sie ihr Wissen eigenständig erweitern. Aus diesem Grund hoffe ich, dass ich auch bei dir die Saat legen konnte. Falls ja, dann findest du, wie versprochen, unten die verwendeten Quellen, in die du gerne reinschauen kannst, oder sie vielleicht sogar erweitern. Ich freue mich persönlich auch über jeglichen zusätzlichen Input.
Empfehlungen zur weiteren Recherche:
[1] Mündliche Überlieferung von Eliphaz (Friends of Ruanda e.V.)
[2] We wish to Inform You That Tomorrow We Will Be Killed With Our Families: Stories from Rwanda by Philip Gourevitch (1998)
[3] https://www.rlp-ruanda.de/laenderinfos/ruanda/geschichte/
[4] https://www.un.org/en/preventgenocide/rwanda/historical-background.shtml#prior-to-colonial-era
[5] King’s Palace Museum, Nyanza, Südprovinz, Ruanda
[6] https://www.dhm.de/archiv/ausstellungen/namibia/stadtspaziergang/reichskanzlerpalais.htm
[7] https://archiv.diplo.de/arc-de/das-politische-archiv/generalakte-2683776
[8] Cultural Workshop, Jumelage, Leitung durch Prosper
[9] https://www.youtube.com/watch?v=T9DOER8JmSc
[10] https://www.minaffet.gov.rw/updates/news-details/brief-historical-timeline-belgium-in-rwanda
[11] https://www.europarl.europa.eu/doceo/document/DEVE-DT-396727_DE.doc?redirect
[12] https://www.nytimes.com/2025/01/28/world/africa/congo-m23-rwanda.html#link-67387a6c
[13] https://www.bbc.com/news/articles/ckgyzl1mlkvo
[14] https://www.nytimes.com/2025/01/28/world/africa/congo-m23-rwanda.html#link-402d1ec3
[15] https://www.bbc.com/news/articles/cgly1yrd9j3o
[16] Offensive der M23-Rebellen in Kongo: Das Fanal von Goma | taz.de
[18] https://www.minaffet.gov.rw/updates/news-details/rwanda-severs-diplomatic-relations-with-belgium
Ich möchte bitte jeden Leser und jede Leserin dazu auffordern, das Berichtete kritisch zu betrachten und gerne zu kommentieren, wenn Inhalte unpassend, unangebracht oder sogar faktisch falsch dargestellt werden. Für mich, wie für jeden anderen, ist das ein Prozess in dem Fehler passieren können und im Laufe der Zeit werde ich die Dinge besser oder zumindest anders verstehen. Bis dahin freue ich mich über Feedback und konstruktive Kritik.
![Titelbild zur Geschichte Ruandas [3]](https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEibLY2BkU7OEkb6OOqLUpbt9PLyKrGELpavjbGPCA4DQmU9cxKt3fMvJE493mU7z4P8K1MqOB7pVTtj05-lxH-j7JWNIjwEhEc45NbAXbdLr0__rj2dV6O76QW6nIECf94ockqJhVhmEx16llYxX5Xu7sBVJxvyBKM3u1oyTG0NaVdk0D8hDdgD_j7ey28/w640-h178/1000082967.jpg)
![Berliner Kongo-Konferenz [6]](https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEi0nlLYHLvw24iyThPLLSJ9rrkhIff6NEJzX6RD5ZYQwVeO_qNq_dl_EC_BiEUtpE5eomPYyp_hr-Noc2oGvu90z6foSb5QjnyAskZ3hSvsc7ufZsutJYhgti2PB7w-FX0y1jZl2Kj4VbLh70GQE-tpqx9YiVkaw61_32hzYT4eOIIOCvP7npgmd8HUQDM/w640-h544/1000082968.jpg)
![M23 Soldaten [12]](https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEhvFjNn2k4BNC-9ytP3Dip9_ghaLSOR_Qz8xXzVd6gl4iNf51bPneAtemi78iTxoZrt_Wqb1SBifRi6zZafTGyrRy3dup9dazFctxzKe1hca_u_Js3L350L5iYfuUriq6OlrtmVcWhSgso5oRyMm42Z93xeLP_FttA_Xuf37mRfQkALWXcYSrlu1lrRg2M/w400-h367/1000082969.jpg)
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