Sport vereint Menschen!
Sport ist ein fantastisches Werkzeug, um neue Kontakte zu knüpfen und sich mit Gleichgesinnten fit zu halten. Es fing an mit einer Wanderung vorletzten Sonntag, über einen sportlichen Freitagnachmittag mit Kollegen, bis zu einer weiteren Wanderung vergangenen Sonntag (gestern), um die Woche perfekt enden zu lassen.
Steps to Wellness ist eine große selbstorganisierte Wandergruppe hier in Kigali mit über 400 Mitgliedern in der WhatsApp Gruppe. Dank meiner lieben Kollegin Claudette, darf jetzt auch ich ein Teil davon sein. Natürlich nehmen nicht immer alle 400 Menschen daran teil. Wobei ich mir auch bei der Gruppengröße von knapp 50 Leuten beim ersten Mal bereits dachte, dass das ja nur im Chaos enden kann. Doch ganz im Gegenteil. Es ist unheimlich erfrischend, mit so vielen Leuten unterwegs zu sein, die alle ihre individuellen Qualitäten mit auf den Weg bringen und doch in der Grundmotivation dieselbe positive Energie ausstrahlen. Menschen verschiedener Nationalitäten, hauptsächlich vom afrikanischen Kontinent, teilen dieselbe Leidenschaft und es ist eigentlich nicht möglich keine Gespräche anzufangen und am Ende des Tages viele neue Namen in seiner Kontaktliste zu finden.Abgesehen davon, ist die Strecke auf die uns die freiwilligen Veranstalter führen, gleichzeitig herausfordernd, aufregend und vor allem ein Augenschmaus für alle Naturliebhaber. Faszinierend zu beobachten sind auch die Locals, die ihre Hütten in der Nähe des Wanderweges stehen haben und in ihren Flip Flops den Berg hoch und runter spazieren, während ich mich mit meinen hochprofessionellen Wanderschuhen an Steinen und Wurzeln festkralle, um nicht auszurutschen. Das ist mir besonders bei der ersten Wanderung zu den Mount Jali Caves, immer noch über der Stadt, aufgefallen.
Mit einigen der neuen Bekannten habe ich im Laufe der Woche auch weiterhin konferiert, während ich mich auf der Arbeit weiter mit der Recherche zum International Women's Day befasst habe (meine Aufgabe ist es, für diesen Tag einen Workshop auf die Beine zu stellen). Eine Beschäftigung, für die ich mich entschieden habe, um die Lücke zu füllen, bis mir meine Mentorin Jane die genauere Einführung in unsere Arbeit geben konnte. Dann war es endlich so weit: Jane hat mir einen ersten Einblick in den Kaninchenbau von Projektanträgen, der Verwaltung von Projekten und insbesondere der Protokollierungen der Finanzen gegeben. Und Junge, das ist ein tiefer Kaninchenbau. Also, Ärmel hochkrempeln und ran an den Speck.
Zudem hatte ich diese Woche zwei weitere Exkursionen. Die erste fand am Dienstag statt. Um meine Zeit sinnvoll zu nutzen und mir eine Pause vom Schreibtisch zu gönnen, hatte ich am Tag zuvor Rebecca, aus dem School Department, gefragt, ob ich sie und Francois, unseren IT-Profi, Dienstags begleiten kann, wenn sie an der GS Musya (Schule) in Kirehe (nicht fern von den Zielorten meiner letzten Exkursion) 15 nigelnagelneue Computer installieren würden. Wahrscheinlich war es auch besser, dass ich mich den beiden angeschlossen habe. Während Rebecca noch zu einem anderen Termin musste, half ich Francois dabei, alle Computer auszupacken und zu verkabeln. Für eine einzige Person hätte das garantiert bis zum späten Abend gedauert. Schon bei unserer Ankunft versammelte sich, nach dem Gefühl zu urteilen, die ganze Schule um das Auto und die Schüler und Schülerinnen beobachteten neugierig, wie ihre neuen Computer in den dafür vorgesehenen Klassenraum getragen wurden. Einige der älteren halfen auch dabei. Auch die Lehrer waren sehr begeistert, kamen hin und wieder bei uns vorbei und insbesondere zwei Lehrerinnen leisteten uns zum Ende hin Gesellschaft. Mit meinem kaum vorhandenen Kinyarwanda und ihrem leicht brüchigem Englisch, war es uns doch trotzdem möglich, uns etwas kennenzulernen, während Francois die letzten Vorkehrungen traf, damit die Geräte einsatzbereit sein würden. Nach einem Gewitter, dessen Regen sich auf den ungedämmten Wellblechdächern wie der Untergang der Welt anhörte, machten wir uns am späten Nachmittag auf den Heimweg. Dabei lud mich Rebecca bei einem kurzen Zwischenstopp noch auf eine Runde Brochette (Grillspieß mit Ziegenfleisch) und Grillkartoffeln ein (typisches Streetfood in Ruanda und sehr lecker).Pünktlich um kurz nach drei Uhr kamen wir an diesem Nachmittag wieder in der Jumelage an und ich freute mich schon auf das anstehende Event. Thomas (ein Kollege, der in der Finanzabteilung arbeitet) hatte bereits zum Anfang der Woche angekündigt, am Freitag nach Feierabend Gemeinschaftssport zu veranstalten und ich freute mich bereits darauf. Als ich mit meinem Rucksack jedoch das Gebäude betrat, musste ich leider feststellen, dass die meisten Kollegen vor der drohend erhobenen Hand des Feindes, der sich Sport nennt, bereits geflüchtet waren. Also waren es noch Thomas, Francois und ich, die noch voller Energie mit einem Fitnessprogramm ins Wochenende starten wollten. Da Francois jedoch noch Schwierigkeiten an seinem Auto lösen musste, starteten Thomas und ich zu zweit. Wir machten uns auf den Weg zu einer Tatanbahn, nicht weit von unserem Arbeitsplatz, die zwischen Straße und Golfplatz in diesem Stadtteil errichtet wurde. Durch sie haben Jogger hier einen Ort, an dem sie angenehm laufen gehen können, ohne die ganze Zeit Passanten auf dem Fußgängerweg oder Fahrzeugen auf der Straße ausweichen zu müssen. Angeblich geht sogar der Präsident gelegentlich dort laufen und während wir eine kurze Dehnpause mit ein paar Kraftübungen einlegten, spazierte der Senatspräsident mit mehreren Personenschützern an uns vorbei. Ich hätte das gar nicht bemerkt, wenn Thomas mich nicht darauf hingewiesen hätte, denn er bewegte sich mit seinen Leuten über die Strecke, als wären Politiker tatsächlich ganz normale menschliche Wesen.
Als sich Francois uns schließlich noch anschloss, begleitete ich ihn auf einer weiteren Runde, während Thomas ein wenig langsamer hinterherlief. Erst als wir beschlossen uns gemächlich auf den Rückweg zu machen, wurde mir klar, dass ich an diesem Nachmittag aus Versehen über 12 km gelaufen war....naja, passiert. Wir gingen anschließend noch eine Kleinigkeit trinken, wobei ich wieder eingeladen wurde und nachdem ich erfolgreich ein Moto zu einem passenden Preis organisiert hatte, kam ich irgendwann positiv erschöpft zu Hause an.
Ich möchte bitte jeden Leser und jede Leserin dazu auffordern, das Berichtete kritisch zu betrachten und gerne zu kommentieren, wenn Inhalte unpassend, unangebracht oder sogar faktisch falsch dargestellt werden. Für mich, wie für jeden anderen, ist das ein Prozess in dem Fehler passieren können und im Laufe der Zeit werde ich die Dinge besser oder zumindest anders verstehen. Bis dahin freue ich mich über Feedback und konstruktive Kritik.




Kommentare
Kommentar veröffentlichen