Lasset die Spiele beginnen!
Du bist auf dem Weg von Südafrika nach Vietnam, als dein Flugzeug abstürzt. Gemeinsam mit einigen anderen Überlebenden findest du dich auf einer einsamen Insel irgendwo im Indischen Ozean wieder. Einen Teil der sich an Bord befindlichen Lebensmittel habt ihr retten können, doch der Vorrat ist begrenzt. Auch Wasser ist knapp, weshalb ihr euch bald auf die Suche begeben müsst, wenn ihr überleben wollt. Doch ihr müsst vorsichtig sein. Die Pflanzen, die auf der Insel wachsen, sind euch unbekannt und es laufen sonderbare Tiere im Wald herum.
Euer Ziel ist es, lange genug am Leben zu bleiben, damit die Suchtrupps euch finden und von der Insel evakuieren können. Doch die Situation wird zusätzlich erschwert, wenn die Ausgangsbedingungen für Spielteilnehmer und -teilnehmerinnen nicht die gleichen sind.
Gesundheit
- Deine Leben werden je nach Geschlecht von einer unterschiedlichen Anzahl an Herzen angezeigt. Männer beginnen mit 6 Herzen, Frauen haben am Anfang 3 Herzen. Alle fünf Minuten verliert jeder Spieler und jede Spielerin 1 Herz.
- Du kannst deine Herzen mit Lebensmitteln oder Wasser auffüllen. Für 1 Mahlzeit erhalten Männer 2 Herzen von der Spielleiterin und Frauen 3. Für 1 Wasser erhältst du 1 Herz von der Spielleiterin, unabhängig von deinem Geschlecht.
- Wenn ein Mann verletzt wird, erhält er 1 schwarzes Herz, was die aktuelle Gesamtsumme seiner Leben um 1 verringert. Eine verletzte Frau erhält 2 schwarze Herzen.
- Bei einer Lebensmittelvergiftung erhalten Männer 2 schwarze Herzen und Frauen 1.
- Du kannst nur ein schwarzes Herz verlieren, wenn du 1 Erste Hilfe Kit verbrauchst.
- Wenn die Anzahl der schwarzen Herzen, die du erhalten hast, die der roten Herzen übersteigt oder ihr entspricht, kannst du nur überleben, indem du deine Herzen sofort mit Nahrung oder Wasser erhöhst oder indem du die schwarzen Herzen durch Erste Hilfe reduzierst.
- Sobald deine Gesamtsumme an Leben (inbegriffen sind Abzüge durch schwarze Herzen) 0 Herzen erreicht, stirbst du und nimmst nicht weiter am Spiel teil.
Wasser finden
- Wasser kann in den Berghöhlen gefunden werden. Die Bäder dienen in diesem Spiel als Berghöhlen.
- Wenn ein Spieler oder eine Spielerin in die Höhlen hinabsteigt, kostet das einen Mann 2 Herzen und eine Frau 3 Herzen.
- Für jeden Abstieg erhältst du 5 Wasserflaschen.
Nahrungssuche
- Nahrung kann durch Jagen oder Sammeln gewonnen werden. Für 1 Beute erhältst du 2 Mahlzeiten, für 1 Pflanze 1 Mahlzeit. Um Pflanzen und Beute gegen Nahrung zu tauschen, kannst du sie zur Spielleiterin bringen.
- Pflanzen wachsen an unterschiedlichen Orten. Finde die richtigen und bringe sie zur Spielleiterin, um sie gegen Nahrung einzutauschen. Aber Vorsicht, nicht alle Pflanzen sind essbar. Wenn du eine giftige Pflanze eintauschst, erhältst du schwarze Herzen, denn du hast dir eine Lebensmittelvergiftung eingefangen.
Mobilität
- Frauen dürfen den Schutzraum nur in Gruppen von 3 Personen oder in Begleitung von mindestens 1 Mann verlassen.
- Verlässt eine Frau den Schutzraum alleine, verliert sie 1 Herz.
- Eine Ausnahme wird gemacht, wenn eine Frau 3 Mal in Folge essbare Pflanzen gesammelt oder 3 Mal erfolgreich Beute gejagt hat. Ab diesem Zeitpunkt darf sie sich frei bewegen.
Objektbeschreibung
- Deine Gesundheit wird auf einem Papierspielschein festgehalten. Sowohl rote als auch schwarze Herzen können hinzugefügt oder durchgestrichen werden, je nach der durchgeführten Aktion.
- Ein rotes Herzsymbol zeigt deinen Gesundheitszustand an. Du verlierst alle 5 Minuten ein rotes Herz. Du kannst zur Spielleiterin gehen, um Nahrung oder Wasser zu tauschen, damit deinem Spielschein neue Herzen hinzugefügt werden.
- Schwarze Herzen fügt die Spielleiterin zu deinem Spielschein hinzu, wenn du verletzt oder vergiftet wirst.
- Das Lebensmittelitem aus Papier (Teller und Besteck) symbolisiert das Essen. Zu Beginn des Spiels hast du nur eine begrenzte Menge an Nahrung. Für eine erfolgreiche Jagd erhältst du vom Spielleiter 2 Papiermahlzeiten. Für das Sammeln von essbaren Pflanzen erhältst du 1.
- Das Wasseritem aus Papier (Wasserflasche) symbolisiert Wasser. Zu Beginn des Spiels hast du nur begrenzte Wasservorräte. Du kannst mehr Wasseritems finden, wenn du in die Höhlen gehst. Um Zugang zu erhalten, muss die Spielleiterin jedoch 3 rote Herzen auf deinem Spielschein durchstreichen, wenn du eine Frau bist, und 2, wenn du ein Mann bist.
- Die roten Koffer mit weißem Kreuz sind Erste-Hilfe-Kits. Um sie zu benutzen, musst du sie der Spielleiterin geben, die dann ein schwarzes Herz auf deinem Spielschein durchstreichen wird, um dich zu heilen. Der Vorrat an Erste-Hilfe-Kits ist endlich und ihr könnt ihn nicht wieder aufstocken.
- Eine Axt ist in dem Spiel ein Besen und kann für die Jagd verwendet werden. Nur wenn deine Rolle ein Mann ist, darfst du sie benutzen.
- Ein Messer ist ein Löffel und kann von allen Spielern und Spielerinnen für die Jagd benutzt werden.
- Der Ball wird als Beute verwendet und wird von der Spielleiterin zur Verfügung gestellt.
- Kleine farbige Papierkugeln sind Pflanzen. Die Farbe zeigt an, ob sie essbar oder giftig sind. Nur die Spielleiterin weiß, welche Farben Gift signalisieren.
- Jagen kann man nur, wenn die Spielleiterin Beute ankündigt. Es wird ein Ball geworfen, den man mit einer Axt (Besen) oder einem Messer (Löffel) treffen muss, während er noch in der Luft ist. Wenn du den Ball verfehlst oder er irgendeinen Teil deines Körpers trifft, erhältst du 1 schwarzes Herz auf deinem Spielschein, wenn du ein Mann bist, oder 2 schwarze Herzen, wenn du eine Frau bist.
- Das Sammeln erfolgt durch das Suchen kleiner farbiger Papierkugeln. Wenn du eine Papierkugel zur Spielleiterin bringst, gibt sie dir entweder ein Lebensmittelitem aus Papier oder fügt schwarze Herzen zu deinem Spielplan hinzu, je nach Giftstatus.
- Die Bäder dienen als Höhlen. Um dorthin zu gelangen, muss der Spielleiter 3 rote Herzen auf deinem Spielschein durchstreichen, wenn deine Rolle eine Frau ist, und 2 Herzen, wenn sie ein Mann ist.
Dieses hübsche kleine Rollenspiel habe ich mir zum Anlass des Weltfrauentages, am 8. März, einfallen lassen. Auf der Arbeit wurde ich beauftragt, einen Workshop für das Kollegium vorzubereiten, der vergangenen Montag am Nachmittag stattfand. In den vergangenen Wochen habe ich mich also viel mit der Recherche zu Geschlechterungleichheiten beschäftigt und eine etwa 20-minütige Präsentation erstellt. Der Fokus lag dabei auf grundlegenden biologischen Unterschieden, die die Entwicklung des bestehenden Ungleichgewichts der Geschlechter mit beeinflusst haben. Jeder Mensch ist individuell und wir werden alle mit unterschiedlichen Ausgangsbedingungen geboren. Ziel des Spiels war es zu testen, wie sich Personen in einer Extremsituation organisieren. Werden sie unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Stärken und Schwächen ihrer Mitstreiter gemeinsam an einer Strategie arbeiten, wie alle überleben können? Oder wird jeder die eigenen Vorteile, sowie Schwächen der anderen, ausnutzen, um sich selbst die bestmögliche Position zu erkämpfen? Vieles, doch nicht alles, ist in dem Spiel für Männer leichter. Aus diesem Grund sollte der Rollentausch zusätzlich Bewusstsein für die Herausforderungen und Privilegien des jeweils anderen Geschlechts schaffen.
Ganz so utopisch lief es dann am Tag selber natürlich nicht ab. Wie erwartet endete das Spiel in einem einzigen Kuddel-Muddel. Alle liefen wild im Gebäude umher, auf der Suche nach Papierkügelchen. Diese werden sich wahrscheinlich in einigen Jahren immer noch in der ein oder anderen Ecke finden lassen. Anstatt, wie vorgesehen, immer nur fünf Wasseritems auf einmal aus dem Badezimmer zu bergen, wurde gleich der ganze Stapel von der ersten Person entführt. Es wurde zu schnell herausgefunden, welche der "Pflanzen" "essbar" waren und wir (Fidele unterstützte mich als Spielleiter) waren haushoch überfordert mit der Menge an Menschen, die dauerhaft Nahrung oder Wasser für Herzen austauschen wollten, sodass es nahezu unmöglich war die Zeit zu stoppen. Ich stellte schnell fest, dass die Regeln viel zu einfach waren und die Leute mehr Leben gewannen, als sie verloren. Folglich begann ich irgendwann, die Regeln nach meinem Belieben anzupassen: Giftige Pflanzen sahen den essbaren plötzlich zum Verwechseln ähnlich und ich ließ einen Tsunami auf die Insel los, bei dem dann auch endlich die ersten beiden Spieler starben. Es war das blanke Chaos und ich habe viel aus den Dingen gelernt, die schiefgegangen sind. Zum Beispiel, dass definitiv mindestens fünf bis zehn Spielleiter und -leiterinnen vonnöten wären, um das ganze halbwegs koordinieren zu können. Jedoch war das Wichtigste am Ende des Tages, dass alle Spaß hatten und das Gefühl hatte ich definitiv.
Ich hatte im Anschluss an das Spiel ein Video von Autorin und Aktivistin Chimamanda Ngozi Adichie herausgesucht, doch es war keine Zeit mehr, dieses ebenfalls noch zu zeigen. Falls du daran Interesse hast, kannst du es dir gerne über diesen Link anschauen: https://youtu.be/hg3umXU_qWc?si=j98hd8A-B-SNvAj_ .
Über den Rest der Woche kann ich mich nicht beschweren, trotz mehrerer Stromausfälle zu Beginn der Woche. Auf der Arbeit war ich beschäftigt, am Dienstag und Donnerstag besuchte ich mit Jane ein paar weitere Zentren für beeinträchtigte Kinder und Jugendliche und zum Start ins Wochenende stand die nächste, diesmal etwas größere, Mini-Party an. Diesmal bei Iddi, nicht bei Peredy, doch sein glorreiches Gift, wollte dieser uns gütiger Weise dennoch nicht verwehren.
Und dann war auch schon wieder Sonntag. Ein neues Wochenende, eine neue Wanderung. Als Kompensation für die, mehr oder weniger, außerplanmäßig lange Strecke der Woche zuvor, musste dieses Mal nur eine kurze Distanz von 7km, über Mount Rebero, bezwungen werden. Am Ziel angekommen, haben sich unsere lieben Admins dann noch ein paar Spiele ausgedacht, unter anderem wieder ein Wettrennen. Wenn du fleißig meinen Blog ließt, erinnerst du dich sicherlich, dass das letztes Mal nicht so prickelig für mein Knie ausging. Doch dieses war inzwischen wieder verheilt und bereit für eine neue Runde. Diesmal war der Untergrund auch Rasen. Genau das richtige Terrain für eine erfahrene Hockeyspielerin, was sollte da denn noch schiefgehen?
Voller Motivation war ich bereit für mein Team den Startschuss zu geben. Drei, zwei, eins, null. Voll in meinem Element startete ich das Rennen und schlitterte gleich elegant aus der ersten Kurve. Was auch sonst. Aber das sollte mich nicht aufhalten. Ohne zu zögern stand ich auf und sprintete weiter. Ich näherte mich der letzten Kurve der Runde, nach der ich nur noch das Staffelholz übergeben musste, doch aus einem mir unerfindlichen Grund gaben meine Beine unter mir nach und ich landete ein zweites Mal auf der Schnauze. Nun, das verletzte meinen Stolz wohl mehr als irgendetwas anderes. Dabei war das Hinfallen nicht einmal das größte Problem für mich. Jede Person, die mich bereits hat Hockey spielen sehen, wird nicht überrascht sein, dass ich mich zwischen meinen Sprints gerne mal mit dem Boden verabrede. Viel Schlimmer für mein Ego ist die Tatsache, dass ich so langsam gelaufen bin, dass es wehtat. Als ich noch jung war, war ich einmal schneller. Doch davon möchte ich mich nicht unterkriegen lassen. Ich muss einfach das Sprinttraining wieder aufnehmen und nächstes Mal werden meine Füße so schnell sein, dass der Bodenkontakt nicht ausreicht um in der Kurve auszurutschen. Das würde ich mir zumindest mal als Ziel setzen.Im Anschluss an die Spiele begann ich mit ein paar Leuten dann ein Stück in Richtung nach Hause zu spazieren. Die Gruppe spaltete sich auf und schließlich lief ich mit Fatma und ein paar weiteren fleißigen Wanderern weiter. Bei etwa der Hälfte der Strecke begann es zu regnen und wir fanden Schutz unter einem Wellblechdach. Über eine Stunde später wollte die Nässe immer noch nicht aufhören vom Himmel zu fallen. Wir beschlossen, dass wir einfach ein Stück weiterlaufen und uns dann ein Moto suchen würden. Doch als wir uns auf den Weg machten, begann der Regen dann recht zügig weniger zu werden und es wurde trocken. Sehr freundlich von der natürlichen Gießkanne da oben, aber wenn wir gewusst hätten, dass es so einfach geht, dann wären wir wohl schon eher losmarschiert. Den Rest des Weges legten wir dann also auch noch zu Fuß zurück und hatten am Ende des Tages doch noch unsere 15+ km abgefrühstückt.
Abends waren wir dann an diesem Sonntag noch zum Iftar bei einer unserer Kolleginnen der Steps to Wellness Gruppe eingeladen. Einige der Gruppe sind muslimisch und fasten während des Ramadan. Nach Sonnenuntergang gab es dann heute ein Festmal, bei dem die Frauen und Männer getrennt, jeweils unter sich das Essen teilten. Da ich es nicht einmal schaffe einen Burger zu essen ohne mich komplett einzusauen, war es eine kleine Herausforderung, den Reis mit den Händen zu mir zu nehmen. Doch auch diese Hürde wurde an dem Tag überwunden. Ein erfüllter Abend mit sehr viel, sehr gutem Essen.Diese würde ich als eine zufriedenstellende Woche bezeichnen. Auf der Arbeit beschäftigt, am Abend zu Hause weitestgehend entspannt und zwischendurch auch tatsächlich mal acht Stunden am Stück geschlafen. Das ist durchaus ein Erfolg.
Ich möchte bitte jeden Leser und jede Leserin dazu auffordern, das Berichtete kritisch zu betrachten und gerne zu kommentieren, wenn Inhalte unpassend, unangebracht oder sogar faktisch falsch dargestellt werden. Für mich, wie für jeden anderen, ist das ein Prozess in dem Fehler passieren können und im Laufe der Zeit werde ich die Dinge besser oder zumindest anders verstehen. Bis dahin freue ich mich über Feedback und konstruktive Kritik.






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