Hannah in Ostafrika - Kapitel 2: Nairobi
Nairobi ist wie ein einziges großes Wimmelbild. Wo auch immer man ist, egal in welche Richtung man schaut, überall passiert Leben. Downtown erinnert die Stadt sehr an andere Städte wie man sie in Europa finden kann. Dann gibt es noch upper town und lower town (Ich glaube, so hatte Linda es genannt).
Wie der Name schon impliziert, finden sich in Uptown die Anwesen der Schönen, der Reichen und der ganz schön Reichen. Diverse Botschaften von Ländern der ganzen Welt haben ihren Standort dort. Extravagante Gebäude verstecken sich hinter hohen Mauern und Bäumen, die lediglich kleine Einblicke, jedoch keine ordentlichen Fotos erlauben. Mal abgesehen davon, dass ich mich das mit der ganzen Security sowieso nicht getraut hätte.
Linda wohnt im anderen Teil der Stadt. Sie ist eine Freundin von Gasper und Martin, die mir in Arusha geholfen haben und war so nett, mir während meiner Zeit in Nairobi Obdach in ihrem Familienhaus zu gewähren. An den Hauptverkehrsstraßen in diesem Teil der Stadt tummeln sich Märkte, die in organisiertem Chaos die verschiedensten Waren anbieten. Von Obst und Gemüse, über Fleisch bis hin zu Möbeln, wie Betten und Schränken, ist alles dabei.
Doch meine Ankunft in Kenya begann nicht in Nairobi, sondern an der Grenze zu Tansania. Zwei Tage zuvor habe ich die beantragte eTA (electronic Travel Authorization) erhalten und musste glücklicherweise diesmal nicht zweimal für das Visum zahlen, wie es in Tansania der Fall war. Lediglich ein paar extra Schilling mussten geopfert werden, damit ich mir die eTA noch ausdrucken konnte.
Die Busfahrt war dieses Mal sehr angenehm. Es war ein Shuttle-Bus, jedoch hatten in diesem selbst meine Beine genug Freilauf, sodass sich die Knie ungequetscht bewegen konnten. Doch nicht nur das: Der Bus war nur etwa zur Hälfte gefüllt mit Passagieren, woduch ich einen Doppelsitz mit meinem Gepäck teilen konnte. Über die Umweltfreundlichkeit dieser Tour lässt sich streiten, doch ich will ehrlich sein, ich genoss es mich auf der Fahrt nicht wie eine verrenkte Sardine im Mini-Ofen zu fühlen.
Leider hatte ich bei dieser ganzen Freude nicht beachtet, dass ich nach Einreise in Kenya kein funktionierendes Internet mehr haben würde. Folglich stellt ich erst zu spät fest, dass ich keine Möglichkeit hatte Linda mit meinem mobilen Kommunikationsgerät zu erreichen, damit sie wusste wann sie mich abholen sollte. Folglich lieh ich mir das Handy einer anderen Person aus um anzurufen. Dann das einer anderen. Und dann noch eine andere. Strategisch nicht sehr clever, da ich selbst auf diese Weise ebenfalls nicht erreichbar war. Doch netterweise sprach mich schon als das Shuttel noch am Drop-off Punkt vor dem Office stand, jemand an und verwickelte mich in eine Konversation. Joseph ist ein Freelance Driver und Mountaineer, der für diverse Tour-Unternehmen arbeitet, die alle ihre Büros an dem Ort haben, an dem ich wartete. Er leistete mir also Gesellschaft und half mir dabei, Linda mit Wegbeschreibungen zu versorgen, bis sie schließlich eintraf. Sie brachte mich noch zu einem ATM um Geld abzuheben, wir besorgten mir eine SIM-Karte und machten uns dann auf den Weg zu ihr nach Hause.
Linda hat eine fünf-köpfige Familie. Sie, ihr Mann Francis und ihre drei Kinder Venita (13), Jaden (10) und Deborah (8), haben mich in ihrem Heim sehr herzlich aufgenommen und im Laufe der Woche verschiedene Ausflüge mit mir unternommen, um mir meinen Aufenthalt in der Stadt zu versüßen. Dabei fielen mir ganz besonders die Parallelen der Kinder zu meinen eigenen Geschwistern ins Auge. Gleiche Alterskonstellation Mädchen-Junge-Mädchen und ähnliche Abstände von 2-3 Jahren dazwischen. Doch sogar die Persönlichkeiten und Dynamik zwischen den Dreien ließ mich schmunzeln und erinnerte mich an meine eigene Kindheit.
Die nächsten Tage verliefen relativ entspannt. Ich erlaubte mir seit langem mal wieder etwas länger zu schlafen, gefolgt von einem kleinen Workout und einem späten Frühstück mit Linda und den Kindern. Gegen Mittag machten wir uns dann auf den Weg. Dienstags besuchten wir das Giraffe Centre und Mamba Village, unternahmen am Mittwoch einen gemütlichen Spaziergang im Karura Forest, ich spendierte mir selbst und den Kids eine Kleinigkeit vom Maasai Markt und Mittwochs fuhren wir mit dem Bus in die Stadt um das Nairobi National Museum zu besuchen.
Das Giraffe Centre startete ursprünglich als Projekt, die letzten 130 Rothschild Giraffen vor dem Aussterben zu bewahren und wurde später zu einem Bildungszentrum für kenyanische Schulkinder erweitert. Mamba Village ist ein Zentrum, welches Krokodile (Suaheli = Mamba), Schildkröten und Vogelsträuße beheimatet. Außer den Tieren gibt es noch ein paar Aktivitäten die man dort unternehmen kann, wie zum Beispiel eine Bootstour durch Afrika (der See hat die Form des afrikanischen Kontinents). Vor der Pandemie war Mamba Village laut Linda noch wesentlich belebter gewesen, doch COVID-19 hat seine Spuren hinterlassen und nun schmücken Ruinen von ehemaligen Restaurants und Picknickplätzen das Gelände.
Im Nairobi National Museum habe ich endlich eine Frage beantworten können, die mir schon lange auf dem Herzen lag: Was definiert die Big Five, mit denen sich diverse Nationalparks in Ostafrika brüsten? Die Big Five wurden ursprünglich von Wilderern kategorisiert. Es sind die fünf Tierarten, die sie nicht mit bloßen Händen erlegen konnten, sondern Werkzeuge wie Speere oder Pfeil und Bogen verwenden mussten. Warum gehören Hippos nicht dazu? Naja, was will ein Wilderer von einem Flusspferd? Ein Secretary Bird erhält seinen Namen aufgrund seines eleganten Ganges, sowie seines Federkleides, welches an ein Sekretärskostüm erinnert und der Mauersegler kann bis zu zehn Monate in der Luft bleiben, wobei er beim Fliegen sowohl essen, als auch schlafen kann. Männliche und weibliche Vogelsträuße haben unterschiedliche Gefieder, da am Tag die Weibchen die Eier brüten und bei Nacht die Männchen. Last but not least haben Warzenschweine ein Gedächtnis von lediglich etwa zehn Sekunden und auf Suaheli heißt Warzenschwein Pumba....Disney hat bei der Namensfindung für seine Hauptfiguren wirklich alle Geschütze aufgefahren. Das sind nur so ein paar Fun Facts, die ich aus dem Museum mitgenommen habe.Mein letzter Tag in Nairobi war etwas verrückt und das lag nicht an dem Game Drive (eine Art Mini-Safari), an dem wir im Nairobi National Park teilgenommen haben. Leider zahle ich als non-Resident eine erheblich höhere Summe an Eintrit für den Park, weswegen wir, um Geld für das private Fahrzeug zu sparen, den Bus nahmen. Verblichene Scheiben und viele neugierige Passagiere schrenkten leider die Sicht ein wenig ein, doch ich schaffte es trotzdem ein paar wenige brauchbare Fotos zu knipsen.Doch der verrückte Teil startete erst nach der Safari und begann mit einem Pavian, der eine Handtasche stahl und nun von Rangern auf dem Dach gejagt wurde. Nicht nur manche Menschen sind Langfinger.
Auch in Ruanda wird einem als weiße Person gerne Mzungu hinterhergerufen und auch wenn die Leute in Ruanda grundsätzlich gerne neugierig starren, erfahre ich doch oft mehr Aufmerksamkeit, als ich es gewohnt bin. Doch heute erreichte das Ganze ein neues Hoch. Im Gegensatz zu den verhältnismäßig zurückhaltenden Ruandern und Ruanderinnen, sind die Menschen in Kenia um einiges direkter. Bereits am Eingang zum Park wollten Kinder gerne ein Foto mit der Mzungu schießen und als Linda, Venita und ich in der Stadt unterwegs waren sprach uns eine Dame freundlich an, während sich ihre Finger in einem Todesgriff um mein Handgelenk legten. All das schien sich auf dem weiteren Rückweg nur noch weiter zu steigern.
Auf dem Weg zum nächsten Matatu (so werden die Busse dort genannt) leistete uns ein junger Mann Gesellschaft. Auf seine Nachfrage hin, erwiederte ich, dass ich ihm meine Nummer nicht geben werde und ich weiß nicht welche schwarze Magie der Kollege verwendete, aber plötzlich war er wie vom Erdboden verschwunden. Als sich das Matatu mehr und mehr füllte stieg schließlich ein weiterer junger Mann zu. Auch Clement fragte mich direkt nach meiner Nummer. Als ich höflich ablehnte wandte er sich stattdessen an Linda und fragte sie nach meiner Nummer. Irgendwann gab ich nach und sagte ihr, sie solle ihm meine kenyanische Nummer geben. Die hatte ich ohnehin nur temporär. Allerdings dauerte die Rückfahrt noch eine Weile und scheinbar hatte Clement dasselbe Ziel wie wir. Versteh mich hier nicht falsch, er war nicht übermäßig aufdringlich, lediglich hartnäckig. Alles in allem war das eine sehr lustige Situation, insbesondere, als sich ein weiterer Kerl neben mich setzte, eine Konversation begann und Clement damit direkt eifersüchtig machte. Der Bus stoppte kurz vor unserer Station, aufgrund eines Defekts, und wir liefen von dort aus weiter. Während Clement sich also bemühte, mich von George fernzuhalten, amüsierten sich Linda und Venita köstlich über mein Leid, bis er uns schließlich überzeugte, mich seiner Familie vorzustellen. Es versteht sich von selbst, dass ich nirgendwo ohne die beiden anderen hingehen würde. Also machten wir uns gemeinsam auf dem Weg und folgten ihm durch die Straßen, an diversen kleinen Läden vorbei, bis wir schließlich seine zweitälteste Schwester bei einem kleinen Gemüsestand antrafen. Es wurde sich auf Suaheli unterhalten, weswegen ich nicht weiß worum es ging und kurze Zeit später tauchte auch seine älteste Schwester auf (er ist wohl das fünfte von elf Geschwistern in seiner Familie). Wir verabschiedeten uns jedoch sehr bald wieder von der Menschentraube, die sich um das Gemüse versammelt hatte, da Linder einen Anruf erhalten hatte, dass Francis und die anderen beiden Kids ohne Schlüssel zu Hause warteten. Erst später erfuhr ich, dass sie das nur vorgetäuscht hatte, da uns Clement sonst mit Sicherheit noch eine gute Weile länger aufgehalten hätte. Er begleitete uns netterweise noch bis zum Bus und an dem Punkt war ich der Meinung, dass er sich meine WhatsApp Nummer verdient hatte. Zwar hatte er im Verlauf des Abends immer wieder darauf bestanden "I (he) love you for free", so viel konnte ich ihm aber dennoch zurückgeben, es war schließlich ein sehr unterhaltsamer Abend gewesen. Linda und Venita amüsierten sich sehr über das ganze Schauspiel und so ging mein letzter Tag in Nairobi zuende.
Ich möchte bitte jeden Leser und jede Leserin dazu auffordern, das Berichtete kritisch zu Ich möchte bitte jeden Leser und jede Leserin dazu auffordern, das Berichtete kritisch zu betrachten und gerne zu kommentieren, wenn Inhalte unpassend, unangebracht oder sogar faktisch falsch dargestellt werden. Für mich, wie für jeden anderen, ist das ein Prozess in dem Fehler passieren können und im Laufe der Zeit werde ich die Dinge besser oder zumindest anders verstehen. Bis dahin freue ich mich über Feedback und konstruktive Kritik.betrachten und gerne zu kommentieren, wenn Inhalte unpassend, unangebracht oder sogar faktisch falsch dargestellt werden. Für mich, wie für jeden anderen, ist das ein Prozess in dem Fehler passieren können und im Laufe der Zeit werde ich die Dinge besser oder zumindest anders verstehen. Bis dahin freue ich mich über Feedback und konstruktive Kritik.







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