Titanic auf Wild-Life-Tour
Ah, die Savanne...Weite Flächen bedeckt mit Gräsern, gelegentlich unterbrochen von üppigen Baumlandschaften. Zwischen ihren Kronen erblickt man die elegante Silhouette einer Giraffe, die sich in der Morgensonne von den frischen grünen Blättern bedient. Nicht weit von ihr grasen Zebras und Antilopen, während eine Elefantenherde sich in der Ferne ihren Weg zum Wasser bahnt, wo die Flusspferde sich am Ufer suhlen. Paviane kreuzen den Weg und über den Köpfen der Beobachter gleitet ein Schreiseeadler entlang. Niemand wagt es auch nur einen Mucks zu machen, möchte doch niemand die Stille stören, die die tiefe Ehrfurcht vor der geballten Natur auf den Punkt bringt. Tier- und Pflanzenwelt in gnadenloser Harmonie. Wer sich nicht anpasst, muss weichen. Doch wer überlebt, wird Teil einer Welt, die so viel größer und mächtiger ist, als ein einzelnes Individuum. Im April 2025 unternahm ich meine erste Safari im Akagera National Park, an der Grenze zu Tansania. Team Titanic war noch sehr jung, als sich vier unserer Gruppe aufmachten, den Osten Ruandas zu erkunden.
Um die Tiere nicht zu verpassen, wenn sie sich vor der heißen Mittagssonne zurückzogen, mussten wir am frühen Morgen von Kigali aufbrechen. Wir hatten eine mehrstündige Fahrt vor uns, bevor wir den Eingang zum Nationalpark erreichen würden. Der Plan ging nicht so auf, wie angedacht. Am Abend zuvor hatten wir noch lange über unsere mobilen Kommunikationsgeräte miteinander konferiert, sodass Fatma den Treffpunkt verschlief. Wir warteten etwa eine Stunde und beschlossen dann, dass Albert sie mit seinem Auto abholen und uns an der Straße, die aus der Stadt führt, treffen würde.
Ein wenig später als geplant, aber nicht weniger frohgemut, fuhren wir dem Sonnenaufgang entgegen. Unterwegs legten wir noch eine Frühstückspause bei einem Rastplatz ein und erreichten den Park gegen halb neun. Während unser Fahrer und Tourguide unsere Ausweise an sich nahm, um die Registrierung abzuwickeln, erkundeten wir vier (Fatma, Albert, Peredy und ich), sowie mein Mitfreiwilliger bei der Jumelage, Thomas, den ich eingeladen hatte, die Titanic zu begleiten, das Gebäude der Touristeninformation. Abgesehen von den überteuerten Kleinigkeiten im Souvenier-Shop, schmückten ein gigantischer Elefantenschädel, sowie das Skelett eines Krokodils den hinteren Ausgang. Nach einer kurzen Fotosession am Parkeingang war es dann so weit. Unser Guide gab uns die Ausweise zurück, wir hüpften wieder in den Landcruiser, das Dach wurde geöffnet und los ging die wilde Tour.Akagera wurde 1934 gegründet, ist benannt nach dem gleichnamigen Fluss, der den größten Teil der Grenze zu Tansania markiert und ist Afrikas größtes geschütztes Feuchtgebiet. Es ist Heimat einer Vielzahl an Tieren, unter anderem aller Big Five: Elefanten, Löwen, Büffel, Nashörner und Leoparden. Bevor wir den Park betraten wurden wir jedoch darauf hingewiesen, dass es keinesfalls garantiert ist, dass wir irgendwelche Tiere zu sehen bekommen würden, geschweige denn die Big Five. Doch alle Sorgen blieben unbegründet.
Bereits kurz nach Parkeintritt wurden wir von einem Elefanten willkommen geheißen. Majestätisch schob sich dieser Gigant aus dem umliegenden Gestrüpp und schien direkt auf unser Fahrzeug zuzulaufen. Wir hielten den Atem an und die Kameras gezückt, als er langsam an uns vorbeizog, ohne uns auch nur eines Blickes zu würdigen. Doch das war keine Arroganz, das war pure unbesonnene Gelassenheit. Was für ein Start. Nach so einer Begrüßung schauten wir dem Rest des Tages sehr optimistisch entgegen.
Doch andere Bewohner des Parks machten uns die Arbeit nicht so einfach. Unsere Augen waren eifrig am Scannen, als wir die umliegende Savanne absuchten. Peredy und ich standen auf den Rücksitzen des Cruisers und steckten unsere Köpfe durch das hochgefahrene Dach, während Fatma, Albert und Thomas vorne standen und dort die Landschaft erkundeten. Ich war sehr erfreut, als wir die erste Pavian Familie am Wegesrand vorüberziehen sahen. Das erste Mal, dass ich mich erinnern kann, sie außerhalb eines Bildschirms und noch dazu in freier Wildbahn zu sehen. Einige Monate später habe ich schon wesentlich mehr ihrer Art gesehen, da sie nicht unbedingt menschenscheu sind, eher im Gegenteil. Doch dieses erste Mal war ganz besonders.Wir sahen jede Menge Zebras, die sich das Gras mit den Antilopen teilten, Flusspferde, die fern vom Ufer im Wasser herumdümpelten, Giraffen, die ihren Kopf durch das Blätterdach der einheimischen Bäume steckten und Büffel, die am Fluss die angenehme Morgensonne genossen. Ein Nashorn war ganz in der Ferne, geradeso mit dem Fernglas erkennbar. Mehr Zebras, mehr Antilopen, mehr Paviane. Auch nach unserer angenehmen Mittagspause ließen sich die letzten beiden der Big Five, die auf unserer Liste noch nicht abgehakt waren, nicht zeigen. Ich schätze mal, Katzen sind da eben recht eigen, wann sie deine Aufmerksamkeit wollen und wann nicht, egal ob groß oder klein.
Wir sahen ein Flusspferd, weitab vom Wasser, doch als wir anhielten, um ein Foto aus sicherer Entfernung zu machen, präsentierte es uns seine gigantische Kieferspannweite und begann beschleunigend auf uns zuzujoggen. Unser Guide schmiss ohne zu zögern den Motor an und wir suchten das Weite. Hippos sind nach Stechmücken die tödlichste Tierart für Menschen und auch letztere machten uns nach dem leichten Regenschauer, um die Mittagszeit, zu schaffen. Wir wurden im Landcruiser förmlich aufgefressen, wenn wir auch nur für eine Sekunde anhielten. Auch lange Kleidung war gegen diese Ungeziefer keine Rettung. Ich schätze, Insekten, die es gewohnt sind durch die Haut eines Elefanten zu beißen, stören sich nicht sonderlich an dem dünnen Baumwoll- oder Nylonstoff, in den wir uns einwickelten. Am Nachmittag suchten wir noch lange nach Löwen und kommunizierten über Funk mit anderen Fahrzeugen im Park, ob und wo diese die Royals des Tierreiches gesehen hatten. Doch die große Katze blieb uns an diesem Tag bis zum Schluss verborgen und so auch ihr Cousin der Leopard.
Zum krönenden Abschluss des Tages staunten wir über eine riesige Elefantenherde, die sich in der Ferne am Fluss entlang bewegte. Wir schnappten uns abwechselnd das Fernglas, versuchten sie zu zählen, doch es war unmöglich eine genaue Zahl zu bekommen, es waren einfach zu viele. Wir wurden von ihnen begrüßt als wir den Park betraten und wir wurden von ihnen verabschiedet, als wir ihn wieder verließen. So waren es zwei dieser Riesen, die kurz vor dem Ausgang des Nationalparks unseren Weg kreuzten und dem Landcruiser so nahe kamen, dass wir beinahe glaubten, er würde zu uns ins – oder aufs – Auto steigen. Doch nach einer Weile setzte er sich wieder in Bewegung und gemeinsam mit seiner Freundin verschwanden sie im Gestrüpp.
In all dem darf man natürlich ein Spektakel wie das Safari-Business nicht ganz undifferenziert betrachten. Ein Nationalpark ist kein Zoo, in dem Tiere auf kleinsten Flächen leben, die nicht einmal ansatzweise ihrem natürlichen Lebensraum entsprechen. Nationalparks sind vielmehr dafür da, diese Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum vor Wilderern zu schützen, die sie für ihr Elfenbein oder ihren Pelz verschwenderisch erlegen und dann zum Verrotten zurücklassen. Gleichzeitig wird vielerorts, wo Nationalparks errichtet werden, die lokale Bevölkerung aus ihrem natürlichen Lebensraum vertrieben. Ich kenne keine Details zur Errichtung des Akagera Parks und kann nichts zu der umliegenden Bevölkerung sagen, daher habe ich hierzu keine spezifische Kritik. Ich weiß jedoch aus erster Hand, dass Bewohnern des Gishwati-Waldes, im Westen von Ruanda, ein leichteres Leben ermöglicht wurde, als das Gebiet zum Nationalpark erklärt wurde und sie ihre Heimat verlassen mussten. Das ist jedoch nicht immer und überall so der Fall, insbesondere, wenn internationale Organisationen an der Durchsetzung solcher Projekte beteiligt sind. Aus diesem Grund wollte ich dieses Thema dennoch erwähnen. In einer Welt, in der die herrschende Gesellschaftsschicht mehr und mehr um die Umwelt besorgt ist, wird der andere Teil der Bevölkerung gerne vergessen. Der Teil, der nicht den Luxus hat, sich um irgendetwas anderes zu sorgen, als das Überleben der eigenen Familie.
Doch ich möchte diesen Bericht mit positiven Worten beenden: Meine erste Safari war ein aufregendes Erlebnis, sehr anders als ich es mir vorgestellt hatte, doch nicht weniger spannend. Wir hatten zwar nicht alle der Big Five erspähen können, doch nach der Ankündigung am Anfang, wir könnten womöglich komplett mit leeren Händen und Fotos aus dem Park zurückkehren, war ich mehr als zufrieden mit all den Tieren, die sich uns gezeigt haben.
Es ist nicht einfach zu schreiben und dabei die Masse an verschiedenen Hintergründen und Meinungen aller Leser und Leserinnen zu berücksichtigen. Ich sehe es in meiner Verantwortung und bemühe mich immer so neutral, transparent und aufgeschlossen wie möglich über meine Erfahrungen in Ruanda zu berichten. Doch auch ich bin ein subjektives Wesen, mit meinen eigenen Ansichten, Werten und Normen, geprägt von meinem Umfeld wie jeder andere Mensch auch. Konstruktive Kritik ist daher essentiell, um Fehler zu erkennen, mein eigenes Verständnis zu verbessern und dir einen sichereren Raum zum Lesen bieten zu können.







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