Stetiger Anstieg - Ruandische Entwicklung und Innovation
Ruanda ist ein Entwicklungsland mit einer komplexen gesellschaftlich gespaltenen Vergangenheit. Seit dem Genozid 1994 hat die ruandische Führung große Schritte unternommen, die Bevölkerung wieder zu vereinen und das Land wiederaufzubauen. Jetzt hier zu sein, über 30 Jahre später, kann ich nicht anders als zu bewundern, wie weit Ruanda in so kurzer Zeit gekommen ist. Gesellschaftlich, aber auch ökonomisch hat der kleine Staat in Zentralostafrika in den letzten Jahrzehnten einen solchen Aufschwung erlebt, dass Ruanda heute zu den Ländern mit dem schnellsten Wirtschaftswachstum in der Welt gehört (1, 2, 3).
Rwanda Vision 2020 hatte zum Ziel die Bevölkerung zu vereinen und sich von einer landwirtschaftlichen zu einer wissensbasierten Gesellschaft zu entwickeln, um Ruanda in ein Land mittleren Einkommens zu transformieren (5). Die Vision wird auch in dem neuen Plan für 2050 weitergeführt, wo vermehrt in digitale Infrastruktur, Innovation und effiziente Verwaltung investiert werden soll. Das alles auf der Basis, dass Ruanda kein Status-quo Land sein soll, sondern sich weiter entwickeln und international wettbewerbsfähig sein soll (6).
Ruanda hat diverse technische Innovationen bereits im Land etabliert, an denen sich manche europäische "Industrienationen" ein Beispiel nehmen könnten. Kostenloser Smart Transport mit Tap-and-Go-Technologien in Bussen, W-LAN an öffentlichen Orten wie Restaurants oder Cafés, sowie die Einführung von Informations- und Kommunikationstechnologien an Schulen, sind ein paar simplere Beispiele für fortschrittliche Entwicklung.
Ich persönlich bin wohl dahingehend noch recht deutsch veranlagt, dass ich eine Freundin von Bargeld bin. Es geht doch nichts über das wohlhabende Gefühl, wenn man seine 20€ für den Monat am Geldautomaten abhebt und die Scheine in den Händen hält. Oder wenn die Münzen im Geldbeutel klimpern und dir die Hose von den Hüften ziehen, sodass du dir vorkommst, wie ein Lord oder eine Lady von hohem Stande, unabhängig davon, dass der Inhalt deines Bündels hauptsächlich aus Kupfermünzen besteht. Keine KI-Technik kann mir das nehmen.
Doch auch ich musste mich auf lang oder kurz dem Charm des Mobile Moneys (Momo) geschlagen geben. MTN ist der größte Telekommunikationsanbieter in Ruanda. Über deine SIM Karte kannst du durch Momo ganz einfach alle möglichen Zahlungen durchführen: Bezahlung im Supermarkt, im Kiosk von nebenan, Vergütung des Moto-Fahrers, Strom und Datenvolumen, you name it. Du brauchst dringend Geld, dein Gehalt ist allerdings noch nicht auf deinem Konto eingetroffen? Frag eine Freundin, ob sie es dir leiht. Alles was sie dafür braucht ist deine Telefonnummer. Du kannst deine SIM Karte mit Guthaben aufladen indem du es entweder direkt von deinem Konto überweist (wenn du bei einer ruandischen Bank bist), oder zum nächsten MTN-Angestellten an der Straßenecke gehst und ihn oder sie in Bar bezahlst. Und diese Menschen sind hier wirklich überall. Der einzige Nachteil ist aus meiner Sicht die Gebühr die anfällt, wenn du Geld an eine private Nummer und nicht an einen Momo-Code sendest. Das kann ganz schön nervig sein, zumal viele Moto-Fahrer oftmals weder Wechselgeld, noch einen Code haben. Dennoch ist es eine sehr praktische Art und Weise zu zahlen, ohne dass du irgendetwas außer deinem Handy an der Person haben müsstest (7).
Der zweite Punkt, den ich gerne hervorheben würde, ist die elektronische Verwaltung in Ruanda und jede Person, die jemals in irgendeiner Weise mit deutscher Bürokratie zu tun gehabt hat, wird unterschreiben, dass wir uns hier eine große Scheibe abschneiden können. Irembo ist ein Portal über welches du auf alle staatlichen Dienstleistungen Zugriff hast. Während ich in Deutschland monatelang auf einen Termin beim Bürgeramt warten musste, um meinen Reisepass zu erneuern, kann man diesen hier ohne Probleme online beantragen. Adressänderungen, Registrierungen, die Anmeldung eines Unternehmens, lässt sich alles über die digitale Platform abwickeln (8).
Die Beispiele Momo und Irembo sind Dinge, die auch andere Länder der Welt bereits eingeführt haben und keine ruandische Neuerfindung. Die Zipline hingegen, ist weltweit das allererste Netzwerk an Drohnen zur Lieferung von medizinischen Hilfsgütern. Blut, Impfstoffe und Medikamente können dank Zipline Rwanda schnell und ohne Verzögerungen über die unwegsamen Hügel und Schotterstraßen der ländlicheren Gebiete transportiert werden. Das Projekt gilt als eine globale Fallstudie in der Ruanda mit dem amerikanischen Zipline Unternehmen zusammenarbeitet (9).Überdies gibt es in Ruanda diverse Innovation Hubs, die junge Start-ups unterstützen, indem sie ihnen nicht nur einen Platz zum arbeiten, sondern auch Mentor-Programme und Fördermittel bieten. Insbesondere viele junge Leute und Freunde, die ich hier getroffen und kennengelernt habe versuchen ihr Glück mit einem eigenen Start-up. Mitte September 2025 begleitete ich meine Kollegin Sandrine zu einem Event, bei dem junge Menschen ihre Buisiness-Idee vorstellen konnten, die sie in einem zuvor durchgeführten Mentorenprogramm entwickelt hatten. Es waren einige sehr gute Projekte darunter, wie zum Beispiel DECOR HERB: Ein Unternehmen, welches Plastikmüll in Ruanda sammeln möchte und zu Dekoration in Haus und Garten machen möchte. Oder die VermaGrow Farm, die das Problem schlechter Ernten vieler Bauern wortwörtlich bei der Wurzel packt, indem sie Würmer züchtet und an Kunden liefert, um die Bodenfruchtbarkeit ihrer Felder zu erhöhen. Obwohl Kommunikationskompetenz und Fähigkeiten der öffentlichen Rede bei den meisten bis allen Gruppen dieses speziellen Programs noch sehr ausbaufähig waren, waren die Ideen selbst sehr kreativ und zeugten durchaus von fortschrittlichem Unternehmerpotential.
In Ruanda gibt es viele Leute, die ihr Glück mit dem eigenen Start-up herausfordern, was manchmal auch damit zusammenhängt, dass es einfach die bessere oder sogar einzige Option ist. Häufig kommt mir zu Ohren, dass es sehr schwierig ist in Ruanda einen Job zu finden und oftmals sind Arbeitsbedingungen und Bezahlung nicht sehr vielversprechend. Da ist es ökonomisch sinnvoller sein eigenes Ding zu machen, auch wenn das eine Menge harte Arbeit, schlaflose Nächte, wenig Freizeit und einen Tanz auf einem finanziellen Drahtseil bedeutet. Doch es ist nicht nur eine existentielle Entscheidung die viele junge Leute hier dazu inspiriert ihre Vision zu verwirklichen. Es gibt an unterschiedlichen Stellen viel Unterstützung durch nationale und internationale Programme.
Ejo-Connect (10) ist ein dynamisches Jugendnetzwerk, das aus der langjährigen Partnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und Ruanda hervorgegangen ist, erzählt mir der derzeitige ruandische Vorsitzende Fiston. Es wurde von ruandischen Studenten wie Michaella Rugwizangoga, der derzeitigen Geschäftsführerin von Volkswagen Mobility Solutions Rwanda, im Jahr 2011 in Kaiserslautern gegründet, und später schlossen sich deutsche Freiwillige in Ruanda zusammen, um es zu einem bilateralen Netzwerk in Ruanda und Deutschland zu machen. Als sehr dynamisches Netzwerk, erhielt das Ejo-Connect insbesondere im Jahr 2020 Fördermittel aus der Jumelage-Partnerschaft, woraufhin die Mitgliederzahl zu steigen begann. Ejo-Connect hat derzeit über 100 aktive Mitglieder, die sich durch verschiedene Projekte in den Bereichen Umweltschutz, sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte (SRHR) sowie Austauschprogramme für den Aufbau nachhaltiger Gemeinschaften in beiden Ländern engagieren. Mein Kollege Fidele erläutert, dass Ejo-Connect „seinen Mitgliedern Möglichkeiten zum Networking, zur Weiterbildung und zum kulturellen Austausch bietet“. Durch die Teilnahme an verschiedenen Aktivitäten kommen junge Menschen in „Diskussionen über Geschichte, Entwicklung und die sozialen Realitäten beider Staaten”, Ruanda und Deutschland, miteinander ins Gespräch. Die jungen Menschen setzen ihre eigenen Ideen in Konzepte um, die dann mit Hilfe des Netzwerks in praktische Projekte umgesetzt werden können. Ejo-Connect eröffnet seinen Mitgliedern eine Vielzahl von Möglichkeiten, inspiriert zu Kreativität und Innovation in Bereichen, die für junge Menschen unmittelbar relevant sind, und lehrt sie außerdem die internationale Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Kulturen.Es gibt eine Reihe von Programmen, die Ruandern und anderen jungen afrikanischen Bürgern von internationalen Karriereunternehmen angeboten werden, die in verschiedenen Ländern des Kontinents operieren. Eines dieser Programme ist Jasiri. Neben Ruanda ist Jasiri auch in Kenia, Äthiopien und Südafrika tätig und „investiert in, begleitet und unterstützt Unternehmer und Start-ups in der Frühphase, die der Gesellschaft durch die Gründung von Unternehmen mit großer Wirkung auf dem afrikanischen Kontinent zugutekommen“ (11). Jasiri konzentriert sich darauf, junge Unternehmer darin zu schulen, Probleme zu erkennen und diese direkt mit ihren eigenen Lösungen anzugehen. Sie bringen ihnen bei, wie man eine Idee entwickelt, wie man sie ausarbeitet und wie man sie präsentiert. Iddi und Mico haben an demselben Jasiri-Programm teilgenommen und sind beide junge Ruander mit Erfahrung in Unternehmensgründung.
Nach Abschluss seines Masterstudiums in Betriebswirtschaft in China kehrte Mico nach Ruanda zurück und gründete 2023 sein eigenes Unternehmen, das Werbung anbietet, hauptsächlich digital, aber auch im physischen Raum (12). Abgesehen davon, dass unabhängiges Arbeiten seiner Natur entspricht – bereits während seines Studiums betrieb er sein eigenes Fotografieunternehmen –, bietet ihm diese Selbstständigkeit auch bessere finanzielle Möglichkeiten, da die Einstiegsgehälter in Ruanda in der Regel niedriger sind als das, was er selbst verdienen kann. Während er bereits sein eigenes Unternehmen startete, trat er als Vertriebsleiter in eine Radiofirma ein, um mehr über Werbung zu lernen. Obwohl er sich selbst noch als Start-up-Unternehmen betrachtet, erkennt ihn die Regierung aufgrund seines Gesamtumsatzes in einem Geschäftsjahr bereits als etabliertes Unternehmen an, auch wenn dieses Einkommen nicht konstant ist. Das bedeutet, dass er nicht mehr von bestimmten Steuerpflichten befreit ist und als offizielles Unternehmen anerkannt wird. Dennoch hat er weiterhin hohe Ambitionen für seine Arbeit und wird sich erst dann als etabliert bezeichnen, wenn er diese Ziele erreicht hat.
Natürlich bringt die Gründung eines eigenen Unternehmens viele Herausforderungen mit sich. Als Unternehmen, das in Ruanda Werbung anbietet, muss sich Mico mit zahlreichen Vorschriften und Bestimmungen auseinandersetzen, wenn es darum geht, eine Werbetafel zu kaufen und einen guten Standort in der Stadt zu finden. Aber unterschiedliche Länder bringen unterschiedliche Herausforderungen mit sich, erzählt er mir. In Uganda ist es vielleicht viel einfacher, eine Werbetafel aufzustellen. Mit einer einzigen Werbetafel in Ruanda kann er jedoch etwa so viel Geld verdienen wie mit zehn in Uganda. Deshalb ist er froh, weiter in Ruanda zu arbeiten und sein Geschäft voranzutreiben.
Iddi gründete sein erstes Unternehmen direkt nach dem Schulabschluss. Was ursprünglich als Übergangsjahr vor dem Studium gedacht war, währenddessen er bei einer Firma arbeitete, die Projektanträge schrieb, hatte er bald seine eigene Idee, zusammen mit Kollegen. Sie sahen eine Herausforderung im Alltag der Menschen und versuchten, eine Lösung dafür zu finden: Disc Burner sind Leute, die Musik und Filme verkaufen, früher auf eine CD gebrannt (daher der Name "Burner") und heutzutage zum Download auf einem USB-Stick, damit Menschen sie kaufen können, wenn sie zu Hause kein Internet haben, um sie herunterzuladen. Um es diesen Disc Burnern zu ermöglichen, die Produkte legal zu verkaufen, wollten Iddi und sein Team Verträge zwischen ihnen und den Künstlern abschließen. Das Geschäft lief anfangs gut, mehrere Künstler und Filmstudios unterzeichneten Verträge mit ihnen. Sie gewannen eine Ausschreibung von der GIZ, um den audiovisuellen Markt zu erforschen, was die Lücke im Urheber- und geistigen Eigentumsrecht in die Aufmerksamkeit der Regierung rückte. Letztendlich mussten sie sich jedoch geschlagen geben, weil die wenigen Disc Burner, die tätig waren, keinen Anreiz hatten, ihrem Projekt beizutreten, und Iddis Team nicht genug Mittel hatte, um die Künstler zu bezahlen. Hinzu kam, dass große Studios das Urheberrecht für populäre Filme monopolisieren, was ebenfalls eine Herausforderung darstellte, die sie nicht überwinden konnten.
Iddi absolvierte seinen Bachelor- und Master-Abschluss in Kenia und kehrte nach Ruanda zurück, um am Jasiri-Programm teilzunehmen. Eine neue Idee, eine neue Perspektive. Er und sein Team erhielten von Investoren die Finanzierung für ihr Projekt, dessen Ziel es war, Hilfsmittel für Kinder zu finden, mit denen sie ihre motorischen Fähigkeiten und geistigen Fähigkeiten trainieren können, ohne dabei vor dem Bildschirm zu sitzen. Iddi verließ das Projekt schließlich, weil seine Teamkollegen eine andere Vision hatten als er und sich auf KI konzentrieren wollten. Er selbst erprobt und teilt auf TikTok Geschäftsideen, die auf dem ruandischen Markt funktionieren könnten, und wirbt dort auch für sein Buch (13).Peredy ist ein kenianischer Freund, der nach Ruanda kam, um sich einem anderen Projekt anzuschließen, das junge Unternehmer bei ihren Ideen unterstützt. Mit seinem Hintergrund in Industriechemie und Materialwissenschaften entwickelte er ein Interesse an Innovation: Materialien aus dem Labor in etwas zu verwandeln, das im realen Leben nützlich ist. Er arbeitete an Innovationen im Bereich der Gesundheitsversorgung für Mütter, reiste herum und stellte seine Arbeit vor. Er hatte bereits mehrere Auszeichnungen gewonnen, als er eingeladen wurde, am globalen Programm „Stanford East Africa Biodesign“ in Ruanda teilzunehmen. Das Programm „zielt darauf ab, die Gesundheitsversorgung und die Chancengleichheit für unterversorgte Bevölkerungsgruppen in Ostafrika zu verbessern, indem lokale Innovatoren darin geschult werden, geeignete, zugängliche und nachhaltige Gesundheitsinnovationen zu entwickeln“ (14).
Vier Monate lang besuchten Peredy und sein Team zahlreiche Krankenhäuser in Ostafrika, um herauszufinden, welche Bedürfnisse die Menschen dort haben. Auf dieser Grundlage und mit Unterstützung des Stanford Biodesign Teams sowie Ingenieuren der Universität Ruanda und der Universität Kenia entwickelten sie ihr Produkt: eine warme Dammkompresse, die Frauen helfen soll, Dammrisse während der Geburt zu vermeiden. Im Anschluss an das Programm erhielten Peredy und sein Team von Investoren finanzielle Mittel, um ihr Projekt fortzusetzen. Mit dem Geld, das ihnen nun zur Verfügung steht, setzen sie ihre Arbeit fort, sprechen mit Frauen unterschiedlicher Herkunft über ihre Erfahrungen und planen klinische Studien, um ihr Produkt weiter zu verbessern (15).
Judith ist eine ruandische Unternehmerin und Gründerin eines Tourismusunternehmens, zu dem ein Hotel, ein Restaurant sowie Reise- und Transportdienstleistungen gehören (16). Schon als Kind, das im Dorf aufwuchs, verkaufte sie auf dem lokalen Markt gekochte Eier, Samosas und Erdnüsse. Von klein auf arbeitete sie gerne, kümmerte sich um andere Menschen und suchte nach Möglichkeiten, ihr eigenes Einkommen zu verdienen. Diese frühen Erfahrungen prägten ihren Unternehmergeist. Als sie vom Dorf in die Stadt zog, arbeitete sie etwa sechs Jahre lang als Haushälterin und Kindermädchen. In dieser Zeit erlernte sie viele wichtige Fähigkeiten wie Verantwortungsbewusstsein, Disziplin und den Umgang mit unterschiedlichen Menschen. Ihr Weg zu ihrer heutigen Karriere begann, als sie als Fahrerin zu arbeiten begann. Das war ihr erster Schritt in die Tourismusbranche und gab ihr die Möglichkeit, zu lernen, zu wachsen und schließlich ihren eigenen Weg zu gehen. Eine besondere Herausforderung war die Tatsache, dass die Branche, in der sie tätig ist, weitgehend von Männern dominiert wird. Als Frau musste sie hart arbeiten, um sich zu beweisen. Sie glaubt jedoch nicht, dass es Männer automatisch leichter hätten, denn Erfolg hängt in erster Linie von Beständigkeit, Entschlossenheit und harter Arbeit ab. Ruanda ist aus verschiedenen Gründen auch für internationale Investoren und Geschäftsleute attraktiv. Die UCI-Straßenradweltmeisterschaften im September 2025 waren ein Beispiel für die Welt, dass Ruanda ein zuverlässiger, vertrauenswürdiger Partner ist, der in der Lage ist, internationale Standards zu erfüllen, um Projekte auf der globalen Bühne erfolgreich durchzuführen. Ich habe mit Freunden gesprochen, die nicht aus Subsahara-Afrika stammen, und sie gefragt, warum sie sich entschieden haben, nach Ruanda zu kommen und dort ihr Unternehmen aufzubauen.Ahmed stammt ursprünglich aus Ägypten. Sein altes Unternehmen ist ein Anbieter von tiermedizinischen Arzneimitteln und Geräten, der vorwiegend in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Oman, Katar und Saudi-Arabien tätig ist. Mit dem Ziel, ihre Reichweite auf Ostafrika auszuweiten, fiel die Wahl auf Ruanda. Im Vergleich zu Tansania, Kenia und Uganda gäbe es dort weniger Korruption, es sei einfacher, ein Unternehmen zu gründen und schneller und kostengünstiger eine Arbeitserlaubnis zu erhalten, was es zu einem bevorzugten Standort für internationale Unternehmen macht. Ahmed war der Geschäftsführer und Gründer der ruandischen Zweigstelle. Er erwähnte auch die Herausforderungen, denen er in Ruanda im Vergleich zu den Vereinigten Arabischen Emiraten gegenübersteht. Seiner Meinung nach ist der ruandische Markt weniger wettbewerbsintensiv und kleiner als in den Emiraten. Gleichzeitig verfügen die Partner nur über begrenzte Kenntnisse und die Kunden haben weniger finanzielle Möglichkeiten.
Weitere Herausforderungen, die mein Wanderkollege Teun erwähnt, sind die Angst vor Verantwortung, was die Entscheidungsprozesse behindert, und dass viele Ruander „nicht in der Lage sind, sich an Zeitvorgaben zu halten, und Ausreden vorbringen“, warum sie Dinge verzögern. Gleichzeitig hätte Ruanda seiner Meinung nach ein „junges und noch nicht ausgereiftes System“ mit viel Potenzial und „weniger Korruption, Anwälten, Rechtsstreitigkeiten, Bürokratie, Regeln und Vorschriften“. Teun ist ein niederländischer Unternehmer, der bereits viele Jahre in anderen afrikanischen Ländern gearbeitet hat, bevor er begann, in Ruanda Geschäfte zu machen. Auf seinem YouTube-Kanal stellt er Ideen aus seinem Buch „Abundomie“ vor, in dem er ein alternatives Wirtschaftssystem untersucht, das der Ressourcenknappheit ein Ende bereiten könnte (17). Er kam nach Ruanda, um an einem Proof of Concept für eine Initiative im Bereich Fertigbeton zu arbeiten. Gründe für seine Entscheidung, nach Ruanda zu kommen, sind unter anderem die Sicherheit und Sauberkeit des Landes sowie die Tatsache, dass „die meisten Dinge wie Strom, Internet, Bankwesen, Abwasser, Wasser, Transport und Infrastruktur fast ohne Probleme funktionieren“. Abgesehen vom guten Wetter und der vielfältigen Natur, die Ruanda zu bieten hat, schätzt Teun die Menschen sehr, bewundert ihre positive Lebenseinstellung und sie sind auch ein wichtiger Grund, warum er sich entschieden hat, zu bleiben. Die „Menschen sind nicht unecht und versuchen wirklich, das Beste aus ihrer Situation zu machen, ohne sich ständig zu beschweren“.
Wie du lesen kannst, hat Ruanda unter der aktuellen Regierung in den letzten Jahrzehnten auf allen Ebenen große Fortschritte gemacht und setzt diese auch weiterhin fort. Der Erfolg des Landes ist bemerkenswert, obwohl es keine Bodenschätze hat, die ihm Reichtum bringen könnten. Natürlich ist Ruanda immer noch nicht auf Augenhöhe mit anderen afrikanischen Nationen wie beispielsweise Kenia. Es erhält viel Geld über NGOs, und wenn man sich die Entwicklung der verschiedenen Regionen des Landes genauer ansieht, gibt es immer noch eine große Kluft zwischen Kigali und dem ländlichen Raum. Aber während andere Länder der Welt in ihrer Entwicklung stagnieren, strebt Ruanda weiter nach vorne.
Auch wenn die städtischen und ländlichen Gebiete fast wie zwei verschiedene Welten sind, profitiert die ländliche Region doch auch stark von den Veränderungen seit Beginn dieses Jahrhunderts: Strom fast überall, günstige und funktionierende Gesundheitssysteme für alle, bezahlbare Versicherungen, erhöhte Sicherheit, Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen und Justiz.
Ich habe diese Informationen durch Gespräche mit Menschen und durch meine eigenen Erfahrungen erhalten: Die Regierung hat ein robustes und anpassungsfähiges System geschaffen, das die Menschen bereits in ihr Leben und ihre Kultur integriert haben. Die Ruander sind stolz darauf, Ruander zu sein, und das ist eine große Leistung, in Anbetracht der Vergangenheit des Landes. Natürlich ist nicht alles perfekt oder entspricht den westlichen Standards, an die viele gewöhnt sind, und es war nicht immer einfach, von den Menschen, mit denen ich über Politik gesprochen habe, eine zufriedenstellende Antwort zu bekommen. Die Opposition ist schwach und ein Führungswechsel in der Zukunft könnte zu einer Stagnation der aktuellen Entwicklung des Landes führen. Aber das System ist derzeit stark, und die Regierung legt großen Wert auf Bildung und den Aufbau einer neuen Generation, die kompetent ist und hoffentlich das Land auf der Entwicklungsleiter weiter nach oben bringen kann.
1) World Bank Group — GDP Growth (annual %) (05.11.2025, 14:52)
2) International Monetary Fund — Real GDP Growth (05.11.2025, 14:43)
3) Focus Economics — The Top 10 Fastest Growing Economies in the World in 2025 (05.11.2025, 14:44)
4) Visual Capitalist — Ranked: The World’s Fastest Growing Economies in 2025 (05.11.2025, 14:46)
5) VISION RWANDA 2020 (05.11.2025, 16:17)
6) VISION RWANDA 2050 (05.11.2025, 16:41)
7) www.mtn.co.rw (05.11.2025, 16:05)
8) irembo.gov.rw (05.11.2025, 16:05)
9) https://www.zipline.com/africa (11.02.2026, 15:55)
10) Ejo-Connect Rwanda: Instagram, Facebook
11) https://jasiri.org/ (10.02.2026, 14:11)
12) THE CLICK MEDIA
13) @97businessideas
14) East Africa Biodesign — Stanford Medicine (10.02.2026, 16:10)
15) https://sawazishamedtechlabs.com/
16) https://judithsafaris.com/
17) https://www.youtube.com/@abundomy
Ich möchte jeden Leser und jede Leserin dazu ermutigen, meine Berichte über Erfahrungen und Eindrücke kritisch zu hinterfragen und mir mitzuteilen, falls du Inhalte als unangemessen oder sachlich falsch empfindet. Für mich wie für jeden und jede andere ist das Kennenlernen eines neuen Ortes und seiner Kultur ein Prozess, bei dem es zwangsläufig zu Missverständnissen und Fehlinterpretationen kommen kann. Mit der Zeit werde ich die Dinge besser oder zumindest anders verstehen. Ich freue mich über Rückmeldungen und vor allem darauf, dass du mich bei weiteren Geschichten begleitest.
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